Aktien auswählen, kaufen und langfristig halten: Viele Anleger möchten sich auf ihre Geldanlage konzentrieren und die Steuerabrechnung nicht zusätzlich selbst erledigen. Für diesen Zweck gibt es in Österreich steuereinfache Broker.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie steuereinfache Broker die Steuerabrechnung für Sie erledigen und wie Sie ein passendes Depot finden. Wir vergleichen vier Angebote und zeigen anhand konkreter Aktienkäufe, welche Gebühren entstehen. So können Sie einschätzen, welcher Anbieter zu Ihren geplanten Käufen passt.
Was ein steuereinfacher Broker für Sie übernimmt
„Steuereinfach“ bedeutet, dass der Anbieter die österreichische Kapitalertragsteuer, kurz KESt, einbehält und an das Finanzamt abführt. Für Dividenden und Gewinne aus dem Verkauf neu gekaufter Aktien beträgt der Steuersatz 27,5 Prozent. Die Besteuerung betrifft den Gewinn, nicht den gesamten Verkaufserlös. Solange der Kurs einer Aktie nur im Depot steigt und Sie nicht verkaufen, fällt auf diesen Kursgewinn noch keine Steuer an.
Ein einfaches Beispiel: Eine österreichische Aktie bringt Ihnen 100 Euro Bruttodividende. Nach 27,50 Euro KESt bleiben 72,50 Euro übrig. In diesem Beispiel fallen keine Gebühren für die Dividendengutschrift an. Bei ausländischen Aktien kann zusätzlich Quellensteuer im Herkunftsland anfallen, deren Anrechnung vom jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen abhängt.
Für die üblichen privaten Aktienanlagen ist die Einkommensteuer mit dem KESt-Abzug abgegolten. Diese Erträge müssen deshalb nicht noch einmal in die Steuererklärung aufgenommen werden. Das Bundesministerium für Finanzen erläutert den Steuerabzug und die Endbesteuerung (externer Link).
Diese österreichische Steuerabwicklung ist für Anleger mit steuerlichem Wohnsitz in Österreich gedacht. Wenn Sie in Deutschland steuerlich ansässig sind, kommt es bei der Depotwahl auf die deutsche Steuerabwicklung an.
Steuereinfache Broker in Österreich im Vergleich
flatex Österreich, Trade Republic, DADAT und easybank bieten Depots mit österreichischem Steuerabzug an. Die folgende Übersicht zeigt ausgewählte Angebote für private Aktienkäufer. Sie ist keine vollständige Liste aller österreichischen Wertpapierdepots.
| Anbieter | Gebühr für Aktienkäufe | Für die Auswahl wichtig |
|---|---|---|
| flatex Österreich | Österreich und Deutschland ab 5,90 Euro, zuzüglich möglicher Fremdspesen | Keine Depot- und Kontoführungsgebühr, mehrere Börsenplätze |
| Trade Republic | 1 Euro Fremdkostenpauschale je Einzelkauf, zusätzlich Spread und mögliche Drittkosten | Aktienhandel über LS Exchange, österreichischer Steuerabzug für Kunden der österreichischen Zweigniederlassung mit AT-IBAN |
| DADAT | Wien: 3,90 Euro plus 0,10 Prozent, zuzüglich Börsengebühren | Für Neukunden keine Depotgebühr, Verrechnungskonto regulär 10 Euro im Jahr |
| easybank, easy flat Depot | Wien und Lang & Schwarz bis 3.000 Euro Ordervolumen: 4,95 Euro, mögliche Fremdspesen zusätzlich | Aktienverwahrung: 0,12 Prozent im Jahr inklusive USt, mindestens 5,40 Euro je Position |
Die Kaufgebühren beziehen sich auf unterschiedliche Handelsplätze und sind daher kein Preisvergleich für denselben Auftrag. Für einen konkreten Vergleich wählen Sie bei jedem Anbieter dieselbe Aktie, denselben Kaufbetrag und, soweit verfügbar, denselben Handelsplatz. Der Spread ist der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs und steckt im Handelspreis.
flatex Österreich: Aktien an verschiedenen Börsen kaufen
Bei flatex Österreich sind Depot- und Kontoführung kostenfrei. Aktienkäufe in Österreich und Deutschland beginnen bei 5,90 Euro Orderprovision. Hinzu kommen je nach Handelsplatz Fremdspesen. Käufe direkt an Börsen in Europa und Nordamerika werden anders bepreist. Die Preisübersicht von flatex (externer Link) schlüsselt diese Kosten auf.
Über flatex können Sie unter anderem an der Wiener Börse und an deutschen Börsenplätzen handeln. Das ist interessant, wenn Sie den Handelsplatz selbst auswählen möchten, etwa für österreichische Aktien in Wien. Die Handelsplatzübersicht (externer Link) zeigt die verfügbaren Börsen. Den österreichischen Steuerabzug bestätigt flatex in seiner FAQ zur Steuereinfachheit (externer Link).
Trade Republic: Günstige Einzelkäufe über einen festen Handelsplatz
Trade Republic ist seit dem 24. April 2025 in Österreich steuereinfach. Das gilt für Kunden der österreichischen Zweigniederlassung, die eine österreichische IBAN erhalten haben. Ältere Aussagen, wonach österreichische Kunden ihre Erträge bei Trade Republic immer selbst erklären müssen, sind damit überholt. Die Voraussetzungen stehen im Impressum von Trade Republic (externer Link).
Für einen einzelnen Aktienkauf fällt eine Fremdkostenpauschale von 1 Euro an. Gerade bei kleinen Kaufbeträgen ist das günstig. Die Kosteninformation des Anbieters (externer Link) erklärt die Gebühren. Aktienaufträge laufen über LS Exchange. Sie können also nicht frei zwischen Wien, Xetra und anderen Börsen wählen. Bei einem Ausfall nutzt Trade Republic für Aktien und ETFs Tradegate als Ersatz, wie die Information zu den Handelsplätzen (externer Link) beschreibt.
DADAT: Depotkosten und Kontogebühr getrennt betrachten
DADAT verrechnet Neukunden keine Depotgebühr für Wertpapiere. Für bestehende Privatkundendepots entfällt sie ab Jänner 2027, bis dahin gelten die bisherigen Konditionen. Das Verrechnungskonto kostet regulär 2,50 Euro im Quartal, also 10 Euro im Jahr. Diese Unterscheidung finden Sie in den Angaben zu Depot und Verrechnungskonto (externer Link).
Für Aktienkäufe an der Wiener Börse werden 3,90 Euro plus 0,10 Prozent des Ordervolumens berechnet, zusätzlich Börsengebühren. Bei einem Kauf über 1.000 Euro sind das zunächst 4,90 Euro eigene Orderspesen. DADAT bietet auch gettex und weitere Auslandsbörsen an, jeweils mit eigenen Gebühren. Die Tarife stehen im Konditionenblatt (externer Link). Die Bank beschreibt ihren automatischen KESt-Abzug in den Informationen zu Gebühren und Steuern (externer Link).
easybank: Auf das konkrete Depotmodell achten
Beim easy flat Depot kostet ein Aktienkauf in Wien oder über Lang & Schwarz bis 3.000 Euro Ordervolumen 4,95 Euro eigene Orderspesen. An anderen Handelsplätzen liegt die Gebühr in dieser Größenklasse bei 7,95 Euro. Mögliche Fremdspesen kommen hinzu.
Für die Verwahrung von Aktien werden jährlich 0,10 Prozent plus 20 Prozent USt berechnet, zusammen 0,12 Prozent. Die Mindestgebühr beträgt inklusive USt 5,40 Euro je Aktienposition. Das Verrechnungskonto ist bei Eröffnung ab dem 1. Oktober 2026 kostenfrei. Für ältere Depots können andere Konditionen gelten. Grundlage ist das Preisblatt für das easy flat Depot (externer Link). Die Produktseite (externer Link) bestätigt die österreichische Steuerabwicklung.
Welche Gebühren für Ihr Aktiendepot zählen
Ein günstiges Depot finden Sie am besten mit einem kleinen Jahresvergleich. Dafür reichen zunächst drei Angaben: Wie viele Käufe planen Sie, wie hoch sind die einzelnen Kaufbeträge und wie groß ist Ihr Depot? Damit können Sie die laufenden Gebühren und die Kosten Ihrer geplanten Aufträge zusammenrechnen.
Wer Aktien lange hält und nur selten kauft, sollte besonders auf die Depotgebühr achten. Eine prozentuale Gebühr wächst mit dem Depotwert. Eine Mindestgebühr je Position kann wiederum ins Gewicht fallen, wenn viele kleine Aktienbestände im Depot liegen. Bei zehn Positionen und beispielhaften 5 Euro Mindestgebühr je Position entstehen schon 50 Euro im Jahr, auch ohne einen einzigen Kauf.
Wenn Sie regelmäßig kleine Beträge investieren, werden die Kaufgebühren wichtiger. Beispielhaft entsprechen 5 Euro Gebühr bei einem Kauf über 100 Euro bereits 5 Prozent des Anlagebetrags. Bei einem Kauf über 1.000 Euro sind es 0,5 Prozent. Rechnen Sie deshalb mit Ihren geplanten Beträgen und prüfen Sie auch die Gebühren für einen späteren Verkauf.
Bei Dividendenaktien lohnt sich ein zusätzlicher Blick auf das Preisverzeichnis: Berechnet der Anbieter eine Gebühr für Dividendengutschriften? Unterscheidet er zwischen inländischen und ausländischen Aktien? Entstehen Kosten bei der Umrechnung einer Dividende in Euro? Wer mehrere US-Aktien mit vierteljährlichen Ausschüttungen hält, erhält häufiger Gutschriften als bei Aktien mit einer jährlichen Dividende. Eine feste Gebühr kann sich entsprechend oft wiederholen.
Für regelmäßige Käufe gibt es außerdem Aktiensparpläne. Dabei kauft der Anbieter automatisch zu festgelegten Terminen Aktien oder Bruchstücke davon. Vergleichen Sie deren Ausführungsgebühren gesondert, weil sie anders bepreist sein können als ein selbst erteilter Kaufauftrag. Wenn Sie daneben einen ETF besparen möchten, hilft der Ratgeber ETF-Sparplan in Österreich bei der Auswahl.
Sind Ihre Aktien am gewünschten Handelsplatz verfügbar?
Bevor Sie sich für ein Depot entscheiden, suchen Sie beim Anbieter nach den Aktien, die Sie kaufen möchten. Verwenden Sie dafür die ISIN, die eindeutige Kennnummer des Wertpapiers. So finden Sie die richtige Aktie auch dann, wenn ein Unternehmen mehrere Aktiengattungen hat. Der Ratgeber Was die ISIN verrät erklärt, wie Sie die Kennnummer nutzen.
Prüfen Sie anschließend die verfügbaren Handelsplätze. Eine österreichische Aktie lässt sich je nach Anbieter auch an einem deutschen Handelsplatz kaufen. Wenn Sie ausdrücklich an der Wiener Börse handeln möchten, brauchen Sie ein Depot mit diesem Zugang. Umgekehrt muss eine US-Aktie nicht zwingend direkt in New York gekauft werden.
Bei der Wahl des Handelsplatzes zählen neben den Gebühren auch die angebotenen Kurse. Vergleichen Sie deshalb den angezeigten Kaufpreis und die Gesamtkosten des Auftrags. Ein Limit legt fest, welchen Preis Sie je Aktie höchstens bezahlen möchten. Diese Einstellung finden Sie bei der Auftragserteilung.
Wann Sie sich trotz steuereinfachem Depot selbst um Steuern kümmern
Für ein privates Einzeldepot erledigt der Anbieter auch den gesetzlich zulässigen Verlustausgleich innerhalb eines Kalenderjahres. Verkaufen Sie etwa eine Aktie mit Verlust und eine andere mit Gewinn, berücksichtigt die Bank diese Beträge bei der Steuerberechnung. Die Regeln erläutert das BMF zum Verlustausgleich (externer Link).
Haben Sie Depots bei zwei verschiedenen Banken, erfolgt zwischen ihnen kein automatischer Ausgleich. Verluste bei einer Bank können Sie mit dafür geeigneten Gewinnen bei der anderen über die Einkommensteuererklärung verrechnen. Dafür brauchen Sie die Steuerunterlagen beider Anbieter. Auch die Rückforderung ausländischer Quellensteuer, soweit sie über die anrechenbare Steuer hinausgeht, wird durch den österreichischen KESt-Abzug nicht automatisch erledigt.
Bei einem Broker ohne österreichischen Steuerabzug müssen Sie die betreffenden Kapitalerträge selbst erklären. Ein österreichischer Steuerreport erleichtert diese Arbeit, weil er die Werte für die Erklärung aufbereitet. Die Abgabe der Erklärung übernimmt er jedoch nicht.
Ist Scalable Capital in Österreich steuereinfach?
Nein, Scalable Capital führt die österreichische KESt nicht direkt ab. Der Anbieter stellt einen Steuerreport bereit, dessen Werte Sie für die eigene Einkommensteuererklärung verwenden. Diesen Ablauf beschreibt die österreichische Steuer-FAQ von Scalable Capital (externer Link). Ein solches Angebot gehört deshalb nicht in die obige Auswahl steuereinfacher Depots.
Mit einem bestehenden Depot wechseln
Für einen Brokerwechsel müssen Sie Ihre Aktien nicht zuerst verkaufen. Bei einem Depotübertrag werden die Wertpapiere auf das neue Depot übertragen. Klären Sie vorab, ob der neue Anbieter alle Positionen annimmt und welche Übertragungsgebühren die bisherige Bank verrechnet.
Ebenso wichtig sind die steuerlichen Anschaffungsdaten. Der neue Anbieter braucht sie, um bei einem späteren Verkauf den Gewinn richtig zu berechnen. Beauftragen Sie deshalb beim Übertrag auch die Weitergabe dieser Daten. Bei einem Wechsel aus einem ausländischen Depot nach Österreich ist seit dem 1. Juli 2026 zusätzlich die eigene Meldung an das Finanzamt erforderlich, damit der Übertrag nicht als steuerpflichtige Veräußerung behandelt wird. Die Einzelheiten stehen in den BMF-Informationen zu Depotübertragungen (externer Link).
So finden Sie das passende steuereinfache Depot
Für kleine Einzelkäufe lohnt sich ein Blick auf Trade Republic, wenn Ihre gewünschten Aktien über den angebotenen Handelsplatz verfügbar sind. Wenn Sie Börsen wie Wien oder Xetra gezielt auswählen möchten, kommen Angebote wie flatex Österreich, DADAT oder easybank in die engere Wahl.
Vergleichen Sie diese Angebote anschließend mit Ihren eigenen Zahlen: Kaufgebühren für die geplanten Aufträge, jährliche Depot- und Kontokosten sowie mögliche Spesen für Dividenden. Nehmen Sie beim Wechsel auch Ihr bestehendes Depot in den Vergleich auf. So sehen Sie, wie viel Sie tatsächlich sparen können.
Vor der Eröffnung sollten damit drei Fragen beantwortet sein: Übernimmt der Anbieter die österreichische Steuer für Ihr Depot? Können Sie Ihre Aktien dort wie gewünscht kaufen? Und passen die Gesamtkosten zu Ihren Kaufbeträgen und Ihrem Depotbestand? Mit diesen Angaben können Sie sich für ein Angebot entscheiden, ohne allein auf die beworbene Kaufgebühr zu schauen.
Quellen und Konditionen geprüft am 4. Oktober 2026. Die Anbieterübersicht basiert auf veröffentlichten Bedingungen, nicht auf eigenen Depottests.
Dieser Beitrag erklärt Grundlagen und ist keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen dienen der Veranschaulichung.
Alle Ratgeber