Börse & Depot 07.10.2026 8 Min. Lesezeit

Spread bei Aktien: Was der Preisabstand für Sie bedeutet

Was ist der Spread bei Aktien? Geld- und Briefkurs verstehen, den Preisabstand berechnen und Kaufangebote mit Gebühren vergleichen. Mit einfachen Beispielen.

Wenn Sie Aktien kaufen, möchten Sie einen guten Preis erhalten. Dafür lohnt es sich, neben den Gebühren auch die angebotenen Preise zu vergleichen. Beim Kauf und Verkauf derselben Aktie werden häufig unterschiedliche Preise angeboten. Wie weit sie auseinanderliegen, beeinflusst, wie viel Geld Sie beim Handel einsetzen und zurückbekommen.

Dieser Abstand heißt Spread. Hier erfahren Sie, wie Sie ihn in der Kursanzeige erkennen und berechnen. Ein Beispiel zeigt, warum selbst ein Kauf ohne Ordergebühr teurer sein kann als ein Angebot mit Gebühr und worauf Sie bei der Auswahl des Handelsplatzes achten können.

Was ist der Spread bei Aktien?

Der Spread ist die Differenz zwischen dem besten angezeigten Kaufangebot und dem besten Verkaufsangebot für eine Aktie an einem Handelsplatz. Er wird auch Geld-Brief-Spanne genannt. Diese Definition finden Sie im Börsenlexikon der Deutschen Börse (externer Link).

Die beiden Preise heißen Geldkurs und Briefkurs. Ihre Bezeichnungen beziehen sich auf die Angebote am Markt:

  • Geldkurs, auch Bid: Diesen Preis bietet ein Käufer für die Aktie. Wenn Sie Ihre Aktien sofort verkaufen möchten, ist das der Preis, auf den Sie schauen.
  • Briefkurs, auch Ask: Zu diesem Preis bietet ein Verkäufer seine Aktie an. Wenn Sie sofort kaufen möchten, ist dieser Preis für Sie relevant.

In unserem Beispiel beträgt der Geldkurs 49,90 Euro und der Briefkurs 50,10 Euro. Die folgenden Zahlen sind frei gewählt und keine aktuellen Kurse oder Brokerkonditionen. Wir nehmen an, dass jeweils genügend Aktien zum angezeigten Preis verfügbar sind und sich die Angebote während des Kaufs oder Verkaufs nicht verändern.

Unser Beispiel: Zwei Preise für dieselbe Aktie
Anzeige Preis je Aktie Bedeutung für Sie
Geldkurs / Bid 49,90 Euro Preis für einen sofortigen Verkauf
Briefkurs / Ask 50,10 Euro Preis für einen sofortigen Kauf
Spread 0,20 Euro Abstand zwischen den beiden Preisen

Vielleicht zeigt Ihre Kursübersicht daneben einen Preis von 50 Euro. Das kann etwa der Kurs des letzten abgeschlossenen Handels sein. Für Ihren nächsten Kauf schauen Sie auf das aktuelle Verkaufsangebot, also den Briefkurs. Der zuletzt gehandelte Preis und die aktuellen Angebote sind unterschiedliche Angaben, wie die Einführung von TD zu Aktienkursanzeigen (externer Link) erläutert.

Wie wirkt sich der Spread auf Ihren Kauf aus?

Sie kaufen zwanzig Aktien zum Briefkurs von 50,10 Euro. Dafür bezahlen Sie 1.002 Euro vor Gebühren. Würden Sie die Aktien sofort wieder zum unveränderten Geldkurs von 49,90 Euro verkaufen, erhielten Sie nur 998 Euro. Der Unterschied beträgt vier Euro.

Die vier Euro ergeben sich aus zwanzig Aktien mal 20 Cent Preisabstand. Sie sind bereits in den unterschiedlichen Kauf- und Verkaufspreisen enthalten. Es wird dafür nicht noch einmal eine eigene Spread-Gebühr von Ihrem Konto abgebucht. Fallen zusätzlich Kauf- oder Verkaufsgebühren an, verschlechtern sie das Ergebnis dieses Beispiels weiter.

Für einen späteren Verkauf ohne Kursverlust müsste der dann angebotene Geldkurs mindestens Ihren Kaufpreis von 50,10 Euro erreichen. Gebühren haben wir dabei noch nicht berücksichtigt. So lässt sich nachvollziehen, weshalb eine frisch gekaufte Position bei einer Bewertung zum Geldkurs zunächst im Minus stehen kann. Welche Kursbasis und Gebühren Ihre Depotansicht verwendet, können Sie an deren Angaben prüfen.

Bei häufigen Käufen und Verkäufen entsteht dieser Preisnachteil immer wieder. Wer eine Aktie länger hält, bezahlt den Spread dagegen nicht jedes Jahr wie eine laufende Depotgebühr. Er gehört zu den Bedingungen des jeweiligen Kaufs oder Verkaufs.

Den Spread in Euro und Prozent berechnen

In Euro ist die Rechnung einfach. Ziehen Sie den Geldkurs vom Briefkurs ab:

Formel

Briefkurs minus Geldkurs = Spread je Aktie

Im Beispiel sind das 50,10 Euro minus 49,90 Euro, also 0,20 Euro. Für den Unterschied zwischen einem Kauf und einem sofortigen Verkauf multiplizieren Sie diesen Betrag mit der Stückzahl.

Eine Prozentangabe hilft dabei, die Spanne bei unterschiedlichen Aktienpreisen zu vergleichen. Hier beziehen wir den Abstand auf den Briefkurs, also den Preis für den Kauf:

Formel

Spread je Aktie ÷ Briefkurs × 100 = Spread in Prozent des Kaufpreises

Damit ergibt sich 0,20 ÷ 50,10 × 100, gerundet 0,40 Prozent. Bei einer Aktie mit einem Briefkurs von fünf Euro entsprächen dieselben 20 Cent dagegen vier Prozent. Für den Vergleich macht es daher einen großen Unterschied, wie teuer die Aktie selbst ist.

Bei Prozentangaben ist die Bezugsgröße wichtig. Eine Rechnung mit dem Mittelwert aus Geld- und Briefkurs liefert einen anderen Wert als unsere Rechnung mit dem Briefkurs. Prüfen Sie deshalb bei einem Vergleich angezeigter Prozentwerte, welche Kursbasis verwendet wird.

Warum ist der Spread manchmal größer?

Der Abstand entsteht aus den Kauf- und Verkaufsangeboten am Markt. Wenn viele Teilnehmer um Aufträge konkurrieren, liegen die besten Angebote häufig enger zusammen. Bei einer selten gehandelten Aktie kann der günstigste Verkäufer deutlich mehr verlangen, als der beste Käufer bietet. Wie gut und in welcher Menge sich eine Aktie handeln lässt, bezeichnet man als ihre Liquidität.

Zusätzlich stellen professionelle Handelsteilnehmer eigene Kauf- und Verkaufsangebote. Solche Market Maker erleichtern den Handel, indem sie als mögliche Gegenpartei bereitstehen. Die Wiener Börse beschreibt die Aufgaben ihrer Liquiditätsanbieter (externer Link), einschließlich Anforderungen an die angebotene Stückzahl und den Preisabstand. Der Spread ist somit keine feste Gebühr, die Ihre Bank für jeden Auftrag festlegt. Ein Handelspartner kann an unterschiedlichen An- und Verkaufspreisen verdienen.

Auch die Uhrzeit spielt eine Rolle. Außerhalb der regulären Handelszeiten des Hauptmarktes einer Aktie sind oft weniger Käufer und Verkäufer aktiv. Dann können die Spannen größer sein. Diesen Zusammenhang erklärt die US-Börsenaufsicht SEC für den Handel außerhalb der regulären Börsenzeiten (externer Link).

Bei einer US-Aktie, die Sie an einem europäischen Handelsplatz kaufen, lohnt sich deshalb ein Vergleich der Angebote während der regulären US-Handelszeit. Maßgeblich bleiben die tatsächlich angezeigten Preise. Eine bestimmte Uhrzeit garantiert keinen günstigen Spread, gerade wenn neue Unternehmensnachrichten starke Kursbewegungen auslösen. Für heimische Aktien finden Sie die Öffnungszeiten im Ratgeber Wiener Börse: Handelszeiten und Feiertage.

Welcher Handelsplatz ist für den Kauf günstiger?

Falls Ihr Broker mehrere Handelsplätze anbietet, vergleichen Sie den Briefkurs für Ihre gewünschte Stückzahl und die zusätzlichen Gebühren. Beim Verkauf vergleichen Sie entsprechend den Geldkurs und den Erlös nach Gebühren. Ein kleinerer Spread kann auf günstigere Handelsbedingungen hinweisen. Ob Ihr konkreter Kauf weniger kostet, zeigt der Gesamtbetrag.

Wir bleiben bei zwanzig Aktien und vergleichen zwei fiktive Angebote für dieselbe Aktie in Euro. Die Preise gelten zum selben Zeitpunkt und für mindestens diese Stückzahl. Die Gebühren umfassen in diesem Beispiel sämtliche zusätzlichen Kaufkosten.

Unser Beispiel: Kaufpreis und Gebühren zusammen vergleichen
Angabe Handelsplatz A Handelsplatz B
Geldkurs 49,90 Euro 49,80 Euro
Briefkurs 50,10 Euro 50,30 Euro
Spread je Aktie 0,20 Euro 0,50 Euro
Kaufpreis für zwanzig Aktien 1.002 Euro 1.006 Euro
Zusätzliche Kaufgebühren 2 Euro 0 Euro
Gesamtbetrag für den Kauf 1.004 Euro 1.006 Euro

Handelsplatz B verlangt keine Kaufgebühr. Trotzdem kostet der Kauf dort insgesamt zwei Euro mehr. Der höhere Briefkurs wiegt die Gebührenersparnis auf. Sie addieren bei dieser Rechnung nur Kaufpreis und Gebühren. Den Spread noch einmal hinzuzurechnen würde denselben Preiseffekt doppelt erfassen.

Vergleichen Sie außerdem die Kurse selbst, nicht nur die Breite der Spanne. Ein Angebot kann einen engeren Spread haben und dennoch einen höheren Briefkurs. Beim Kauf zählt, zu welchem Preis Sie Ihre Aktien tatsächlich erhalten können.

Bei identischem Geld- und Briefkurs beträgt der Spread null. Wie ein solches Angebot aussieht, zeigt das Preisbeispiel der Börse Stuttgart (externer Link). Ein Kauf ohne Spread kann trotzdem Gebühren enthalten. Auch dann hilft der Vergleich des Gesamtbetrags.

Die Stückzahl ist dabei wichtig. Stehen zum besten Briefkurs nur zehn Aktien bereit, obwohl Sie zwanzig kaufen möchten, können weitere Stücke erst zu einem höheren Preis angeboten werden. Dann ergibt sich ein anderer durchschnittlicher Kaufpreis. Auch zwischen Anzeige und Ausführung können sich Angebote ändern. Die SEC erläutert den Einfluss von Stückzahl und Ausführungszeit auf den Handelspreis (externer Link).

Hilft eine Limit-Order gegen einen hohen Spread?

Mit einer Limit-Order legen Sie beim Kauf den höchsten Preis fest, den Sie je Aktie bezahlen möchten. Liegt der Briefkurs bei 50,10 Euro, können Sie beispielsweise ein Kauflimit von 50 Euro setzen. Ihr Auftrag darf dann nur zu 50 Euro oder günstiger ausgeführt werden.

Die Eingabe des Limits senkt den angebotenen Briefkurs jedoch nicht automatisch. Für einen Kauf muss jemand bereit sein, Ihnen zu Ihrem Preis Aktien zu verkaufen. Bis dahin kann Ihr Auftrag offen bleiben. Sie tauschen die Möglichkeit eines sofortigen Kaufs gegen die Chance auf einen besseren Preis. Die SEC erklärt die Preisgrenze einer Limit-Order (externer Link).

Die genaue Anwendung beim Kauf und Verkauf zeigt unser Ratgeber zur Limit-Order. Für den vollständigen Ablauf Ihres ersten Kaufs lesen Sie Aktien kaufen in Österreich.

Wie erkennen Sie einen günstigen Spread?

Einen pauschal guten Spread in Prozent gibt es für sämtliche Aktien und Handelssituationen nicht. Vergleichen Sie die aktuellen Angebote für dieselbe Aktie und rechnen Sie den Unterschied für Ihren geplanten Betrag aus. Zehn Cent je Aktie summieren sich bei hundert Stück auf zehn Euro.

Vor dem Kauf genügen dafür drei Fragen:

  1. Welcher Briefkurs gilt für meine gewünschte Stückzahl, und wie aktuell ist die Anzeige?
  2. Wie hoch ist der gesamte Kaufbetrag einschließlich Gebühren?
  3. Möchte ich zu diesem Preis kaufen oder mit einem Limit auf ein günstigeres Angebot warten?

Damit vergleichen Sie konkrete Kaufangebote, statt allein nach einer niedrigen Ordergebühr zu entscheiden. Die Rechnung bleibt auch bei einem späteren Verkauf nützlich: Dann interessiert Sie, wie viel nach den Verkaufskosten tatsächlich auf Ihrem Konto ankommt.

Dieser Beitrag erklärt Grundlagen und ist keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen dienen der Veranschaulichung.

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