Sie möchten zu einem anderen Broker wechseln, Ihre Aktien aber behalten? Dafür gibt es den Depotübertrag. Ihre Wertpapiere kommen ins neue Depot, ohne dass Sie sie vorher verkaufen und anschließend neu kaufen müssen.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie den Wechsel vorbereiten und beauftragen, welche Kosten entstehen können und was Sie nach der Übertragung kontrollieren sollten. Sie erfahren außerdem, wie ein Übertrag zwischen eigenen Depots in Österreich steuerneutral bleibt und was beim Wechsel von oder zu einem ausländischen Anbieter zu erledigen ist.
Was passiert bei einem Depotübertrag?
Beim Depotübertrag wechselt die Bank oder der Broker, bei dem Ihre Wertpapiere verwahrt werden. Besitzen Sie beispielsweise 30 Aktien eines Unternehmens, werden diese 30 Aktien vom bisherigen Depot ins neue Depot übertragen. Sie bleiben währenddessen Aktionär dieses Unternehmens.
Sie können den gesamten Bestand übertragen oder nur einzelne Wertpapiere. Ein Teilübertrag ist etwa sinnvoll, wenn Sie Ihre Aktien zu einem neuen Anbieter bringen, einen bestimmten Fonds aber bei Ihrer bisherigen Bank behalten möchten.
Hier geht es um den Wechsel zwischen Depots, die Ihnen gehören. Wenn Sie Aktien auf eine andere Person übertragen, zum Beispiel als Geschenk an Ihre Kinder, müssen Sie den Auftrag und die steuerliche Behandlung entsprechend anders einordnen.
Prüfen Sie zuerst, ob der neue Broker Ihre Wertpapiere übernimmt
Bevor Sie einen Übertrag beauftragen, klären Sie beim neuen Anbieter, welche Ihrer Wertpapiere er annehmen und handeln kann. Dafür verwenden Sie am besten die ISIN. Das ist die zwölfstellige Kennnummer eines Wertpapiers. Mit ihr lässt sich die betreffende Aktie oder der Fonds eindeutig zuordnen.
Vergleichen Sie auch die künftigen Depot- und Handelsgebühren. Wenn Sie regelmäßig Aktien kaufen, sind andere Kosten wichtig als bei einem Depot, in dem Sie Ihre Aktien über Jahre halten. Die Steuerabwicklung gehört ebenfalls zur Anbieterwahl. Unser Ratgeber zu steuereinfachen Brokern in Österreich erklärt, welche Anbieter die österreichische Steuer automatisch abführen.
Eine praktische Besonderheit sind Bruchstücke, die durch Sparpläne entstehen können. Bei flatex lassen sich beispielsweise nur ganze Aktien übertragen, wie die Hinweise zum Aktiensparplan (externer Link) erläutern. Besitzen Sie dort 12,5 Aktien, können Sie die zwölf ganzen Aktien übertragen. Für die verbleibende halbe Aktie klären Sie mit dem bisherigen Anbieter, ob sie im alten Depot bleibt oder verkauft wird. Ein solcher Verkauf ist ein eigener Vorgang und kann Steuern auslösen.
Wie Sie den Depotübertrag beauftragen
Der Wechsel beginnt mit einem eröffneten Depot beim neuen Anbieter. Danach legen Sie fest, was übertragen werden soll, und erteilen den Übertragsauftrag. Die folgenden Schritte helfen Ihnen, die Angaben dafür zusammenzustellen.
1. Das neue Depot eröffnen und Unterlagen sichern
Warten Sie, bis das neue Depot freigeschaltet ist und Sie die Depotnummer kennen. Laden Sie aus dem bisherigen Online-Banking Ihren Depotauszug, Kaufabrechnungen und vorhandene Steuerberichte herunter. So können Sie später prüfen, ob die richtigen Bestände und Daten angekommen sind. Bewahren Sie auch den Übertragsauftrag und die Bestätigung der Bank auf.
2. Den vollständigen oder teilweisen Übertrag festlegen
Bei einem Gesamtübertrag geben Sie an, dass alle übertragbaren Wertpapiere ins neue Depot kommen sollen. Bei einem Teilübertrag nennen Sie die gewünschten Wertpapiere und deren Stückzahl. Prüfen Sie, ob das Formular auch eine Kündigung des bisherigen Depots enthält. Wenn Sie dort Bestände behalten möchten, beauftragen Sie keine vollständige Auflösung.
Für den Wechsel zwischen Ihren eigenen Depots wählen Sie die Variante ohne Inhaberwechsel. Beide Depots müssen dafür denselben Inhaber haben. Ein Übertrag von einem Einzeldepot auf ein Gemeinschaftsdepot ist daher anders zu behandeln als ein Wechsel zwischen zwei eigenen Einzeldepots.
Sollen die Aktien künftig einer anderen Person gehören, finden Sie den Ablauf und die Meldepflichten im Ratgeber Aktien schenken in Österreich.
Bei einem vollständigen Wechsel pausieren Sie laufende Sparpläne im bisherigen Depot vor dem Übertrag. So kommen während der Abwicklung keine weiteren Anteile hinzu, die anschließend im alten Depot verbleiben.
3. Auftrag und Datenübermittlung ausfüllen
Der Auftrag enthält die bisherige Bank, Ihre bisherige Depotnummer sowie die neue Bank und das Empfängerdepot. Je nach Anbieter erledigen Sie das digital oder mit einem unterschriebenen Formular. Angaben zu den Wertpapieren gleichen Sie mit dem Depotauszug ab.
Achten Sie auch auf die Beauftragung zur Weitergabe der steuerlichen Anschaffungsdaten. Das sind die Daten, mit denen spätere Verkaufsgewinne berechnet werden. Was dabei je nach Übertragungsrichtung erforderlich ist, erklärt der Steuerabschnitt weiter unten.
4. Den Auftrag auf dem vorgesehenen Weg einreichen
Folgen Sie den Einreichungshinweisen Ihres neuen Anbieters. Manche Banken kümmern sich nach Erhalt des Auftrags um den Kontakt zur bisherigen Bank. So beschreibt die DADAT den Ablauf eines Depotübertrags (externer Link). Andere Formulare reichen Sie direkt bei der bisherigen Bank ein. Wer den Auftrag entgegennimmt, steht in den jeweiligen Hinweisen.
Fragen Sie vor der Einreichung nach den Übertragungskosten. Dann kennen Sie den Betrag, der beim bisherigen Anbieter für den Wechsel anfällt, und können ausreichend Guthaben für die Abrechnung bereitstellen.
Was kostet ein Depotübertrag in Österreich?
In Österreich kann die bisherige Bank Gebühren für die Übertragung verlangen. Der Eingang beim neuen Anbieter ist häufig kostenlos. Diese Unterscheidung beschreibt auch die Finanzmarktaufsicht in ihren Informationen zum Depotwechsel (externer Link). Ein kostenloser Eingang bedeutet also, dass der neue Anbieter keine eigenen Eingangsgebühren berechnet. Die Rechnung der bisherigen Bank kommt gegebenenfalls dazu.
Fragen Sie nach dem Gesamtpreis für Ihren konkreten Bestand. Im Preisverzeichnis können Gebühren pro Wertpapierposition und zusätzliche Fremdspesen stehen. Eine Position ist dabei der Bestand eines bestimmten Wertpapiers. Die Übertragung von 100 Aktien desselben Unternehmens betrifft eine Position, die Übertragung von Aktien aus fünf unterschiedlichen Unternehmen fünf Positionen.
Das folgende Beispiel rechnet mit frei gewählten Kosten von 20 Euro pro Position. Es sind keine Konditionen eines bestimmten Anbieters.
| Zu übertragender Bestand | Übertragungskosten ohne weitere Spesen |
|---|---|
| Aktien eines Unternehmens | 20 Euro |
| Aktien von fünf Unternehmen | 100 Euro |
| Aktien von zehn Unternehmen | 200 Euro |
Um den Wechsel wirtschaftlich einzuordnen, vergleichen Sie die einmaligen Übertragungskosten mit Ihrer künftigen Gebührenersparnis. Kostet der Wechsel beispielsweise 100 Euro und sparen Sie danach jährlich 80 Euro bei der Depotführung, sind die Kosten rechnerisch nach 15 Monaten ausgeglichen. Andere Gebühren bleiben in dieser einfachen Rechnung unverändert.
Manche Anbieter erstatten Übertragungskosten unter bestimmten Bedingungen. Prüfen Sie vor dem Auftrag, welche Positionen dafür zählen und welche Belege einzureichen sind. Eine Erstattung hilft beim Wechsel, für die laufende Nutzung zählen anschließend die normalen Konditionen.
Wie lange dauert der Übertrag und können Sie Aktien verkaufen?
Planen Sie für einen Depotübertrag einige Wochen ein. Die FMA nennt für den Normalfall etwa 15 Werktage. Das ist eine Orientierung, keine verbindliche Abschlussfrist. Auch die BAWAG beschreibt die Dauer (externer Link) als abhängig von Art und Verwahrung der Wertpapiere. Bei internationalen Überträgen kann die Abwicklung länger dauern.
Während der Übertragung können Sie die betroffenen Wertpapiere meist nicht verkaufen. Die Banken sperren sie für die Abwicklung. Wenn Sie einen bestimmten Verkauf bereits planen, klären Sie deshalb zuerst, ob Sie ihn vor dem Übertrag erledigen möchten oder bis nach dessen Abschluss warten können.
Fehlt nach der erwarteten Bearbeitungszeit eine Position, fragen Sie mit Datum, Depotnummer und ISIN nach dem Bearbeitungsstand. Lassen Sie sich sagen, ob die bisherige Bank den Bestand bereits ausgebucht hat oder ob die neue Bank noch auf die Einbuchung wartet. So lässt sich gezielt klären, an welcher Stelle die Übertragung stockt.
Wie bleibt der Depotübertrag steuerneutral?
Für Anleger, die in Österreich steuerpflichtig sind, gelten beim Wechsel eigene Regeln. Das Steuerrecht behandelt einen Depotübertrag grundsätzlich wie einen Verkauf. Für Überträge zwischen eigenen Depots gibt es jedoch Ausnahmen. Dafür müssen die vorgeschriebenen Daten weitergegeben beziehungsweise Meldungen vorgenommen werden.
Welche Aufgabe Sie haben, hängt davon ab, wo die beteiligten depotführenden Stellen sitzen. Die folgende Übersicht bezieht sich auf einen Übertrag zwischen Ihren eigenen Depots ohne Änderung Ihres Steuerwohnsitzes. Grundlage ist § 27 Absatz 6 des Einkommensteuergesetzes (externer Link).
| Übertragungsrichtung | Auftrag oder Meldung |
|---|---|
| Österreich zu Österreich | Beauftragen Sie die bisherige Bank, der neuen Bank die steuerlichen Anschaffungskosten mitzuteilen. |
| Österreich ins Ausland | Beauftragen Sie die bisherige Bank, dem Finanzamt die vorgeschriebenen Daten innerhalb eines Monats zu melden. |
| Ausland nach Österreich | Melden Sie den Übertrag selbst innerhalb eines Monats dem Finanzamt. Diese Regel gilt für Überträge ab 1. Juli 2026. |
| Ausland zu einem anderen Auslandsdepot | Melden Sie den Übertrag selbst innerhalb eines Monats dem Finanzamt. |
Die neue Regel für Überträge aus dem Ausland
Bei einem Übertrag vom eigenen Auslandsdepot auf ein eigenes österreichisches Depot ist seit 1. Juli 2026 die Meldung durch den Depotinhaber erforderlich. Sie geben dem Finanzamt innerhalb eines Monats die übertragenen Wertpapiere, deren Anschaffungskosten sowie die empfangende Bank und den Depotinhaber bekannt. Die Weitergabe der Anschaffungsdaten an die neue Bank und die Meldung an das Finanzamt sind dabei zwei getrennte Aufgaben.
Die Meldung lässt sich über die Funktion Depotübertragung in FinanzOnline erledigen. Das BMF stellt auch das Formular E 27-6 für die Mitteilung einer Depotübertragung (externer Link) bereit. Sichern Sie die Bestätigung Ihrer Meldung zusammen mit den Übertragsunterlagen.
Ohne die erforderliche Meldung greift die Ausnahme vom steuerlichen Verkauf nicht. Dann kann der bis zum Übertrag entstandene Wertzuwachs steuerpflichtig werden, obwohl Sie Ihre Aktien weiter besitzen. Das BMF erläutert die steuerliche Behandlung von Depotübertragungen (externer Link) und die Änderung ab Juli 2026.
Kontrollieren Sie auch die steuerlichen Anschaffungsdaten
Wenn Ihre Aktien im neuen Depot erscheinen, prüfen Sie zuerst Wertpapier und Stückzahl. Danach kontrollieren Sie die steuerlichen Anschaffungsdaten anhand Ihrer Kaufabrechnungen. Fragen Sie den Anbieter nach den gespeicherten steuerlichen Anschaffungskosten, falls diese im Online-Banking nicht ersichtlich sind.
Angenommen, Sie haben zehn Aktien zu je 40 Euro gekauft und übertragen sie bei einem Kurs von 60 Euro. Bei einem steuerneutralen Übertrag bleiben im einfachen Beispiel die ursprünglichen Anschaffungskosten von insgesamt 400 Euro erhalten. Verkaufen Sie später die zehn Aktien zu je 70 Euro, ergibt sich vor Steuern ein Gewinn von 300 Euro. Der Kurs am Übertragungstag wird in diesem Fall nicht zu Ihrem neuen steuerlichen Kaufpreis.
Die Kaufwerte in einer Depotübersicht können von den Angaben abweichen, die der Broker für die Steuerberechnung verwendet. Die DADAT weist in ihren Übertragshinweisen ausdrücklich auf diese getrennten Daten hin. Lassen Sie fehlende oder fehlerhafte Angaben mit den Kaufabrechnungen abgleichen und korrigieren, bevor Sie die betreffenden Aktien verkaufen.
Wann können Sie das alte Depot schließen?
Schließen Sie das bisherige Depot, wenn die gewünschten Wertpapiere vollständig übertragen, die steuerlichen Daten geprüft und verbliebene Guthaben oder Gebühren geklärt sind. Falls Sie eine Schließung bereits im Übertragsformular beauftragen, lassen Sie sich bestätigen, dass diese erst nach der vollständigen Abwicklung erfolgt.
Bestehende Sparpläne richten Sie beim neuen Anbieter bei Bedarf neu ein und beenden die bisherigen Aufträge. Ein laufender Sparplan ist ein eigener Kaufauftrag und zieht nicht zusammen mit dem bereits vorhandenen Aktienbestand um.
Für einen vollständigen Wechsel gehören deshalb drei Dinge zusammen: Ihre Wertpapiere im neuen Depot, die richtigen Steuerdaten und ein sauber beendetes altes Depot. Wenn Sie diese Punkte anhand Ihrer Unterlagen geprüft haben, können Sie Ihre Aktien beim neuen Anbieter weiter verwalten.
Dieser Beitrag erklärt Grundlagen und ist keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen dienen der Veranschaulichung.
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