Sie können einen Aktienverkauf schon vorbereiten, während Sie Ihre Anteile noch halten. Mit einem Stop-Auftrag legen Sie fest, bei welchem Kursrückgang der Verkaufsauftrag aktiviert wird. So müssen Sie ihn nicht erst in diesem Moment eingeben.
Dafür stehen Stop-Loss und Stop-Limit zur Auswahl. Dieser Ratgeber erklärt beide Varianten an derselben Beispielaktie und hilft Ihnen zu entscheiden, welche zu Ihrem geplanten Verkauf passt. Sie erfahren außerdem, wie Sie einen Stop-Kurs wählen, den Auftrag eingeben und prüfen, warum ein Verkauf möglicherweise ausbleibt.
Was macht eine Stop-Loss-Order?
Eine Order ist ein Auftrag zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mit einer Stop-Loss-Order bereiten Sie einen Verkauf vor, der erst bei einem bestimmten Kursrückgang aktiviert wird. Solange die Aktie oberhalb dieser Marke bleibt, behalten Sie Ihre Anteile.
Der Name bedeutet sinngemäß „Verlust stoppen“. Sie können den Auftrag aber auch für eine Aktie verwenden, mit der Sie bereits im Plus liegen. Dann soll ein Verkauf bei einem Kursrückgang einen Teil des bisherigen Kursgewinns erhalten.
Bei der klassischen Stop-Loss-Order entsteht nach dem Auslösen ein Verkaufsauftrag ohne Preisgrenze. Diese Variante heißt auch Stop-Market. Die Wiener Börse unterscheidet Stop-Market und Stop-Limit (externer Link). Im Folgenden verwenden wir „Stop-Loss“ für die Stop-Market-Variante.
Ein Stop-Loss bei 90 Euro: Was passiert beim Verkauf?
Angenommen, Sie besitzen zehn Aktien, die aktuell bei 100 Euro stehen. Sie möchten verkaufen, falls die Aktie auf 90 Euro fällt. Dafür erteilen Sie einen Stop-Loss-Auftrag über zehn Stück mit einem Stop-Kurs von 90 Euro. Alle Zahlen in diesem Ratgeber sind frei gewählte Beispiele, keine Empfehlung für eine bestimmte Aktie oder einen bestimmten Abstand.
Wird die Marke erreicht oder unterschritten, wird der Verkaufsauftrag aktiviert. Die Aktien sollen dann zum nächsten verfügbaren Preis verkauft werden. Der Preis kann beispielsweise bei 89,80 Euro liegen. Für zehn Aktien erhalten Sie dann 898 Euro vor Gebühren und einem möglichen Steuerabzug.
Die 90 Euro bestimmen, wann der Verkauf ausgelöst wird. Sie sind kein zugesicherter Verkaufspreis. Diese Funktionsweise erläutert auch flatex für Stop-Market-Orders (externer Link).
Besonders deutlich wird das bei einem Kurssprung. Schließt die Aktie am Abend bei 94 Euro und wird sie am nächsten Morgen erst zu 82 Euro gehandelt, kann Ihr Stop-Loss einen Verkauf deutlich unter 90 Euro auslösen. Die Aktie muss nicht zuvor genau zu 90 Euro gehandelt worden sein.
Auch ein kurzer Rückgang kann genügen: Der Auftrag wird aktiviert, die Aktien werden verkauft, und anschließend erholt sich der Kurs. Eine bereits ausgeführte Order wird dadurch nicht rückgängig gemacht. FINRA beschreibt diese Folgen schneller Kursbewegungen (externer Link).
Stop-Limit: Ein Verkauf mit zusätzlicher Preisgrenze
Bei einer Stop-Limit-Order geben Sie zwei Preise ein. Der Stop-Kurs bestimmt, wann der Verkaufsauftrag aktiviert wird. Das Verkaufslimit legt fest, welchen Preis Sie danach mindestens akzeptieren.
Für unsere zehn Aktien setzen Sie den Stop auf 90 Euro und das Verkaufslimit auf 88 Euro. Nach dem Auslösen dürfen die Aktien für 88 Euro oder mehr verkauft werden. Eine Ausführung zu 89,80 Euro ist erlaubt, eine zu 87 Euro nicht.
| Kursverlauf | Stop-Loss | Stop-Limit |
|---|---|---|
| Die Aktie bleibt oberhalb von 90 Euro | Kein Verkauf ausgelöst | Kein Verkauf ausgelöst |
| Der Stop wird ausgelöst, Käufer bieten 89,80 Euro | Verkauf zu 89,80 Euro möglich | Verkauf zu 89,80 Euro möglich |
| Der Stop wird ausgelöst, Käufer bieten nur 82 Euro | Verkauf zu 82 Euro möglich | Verkauf zu 82 Euro ausgeschlossen |
Die Beispiele gehen von ausreichend Käufern zum genannten Preis aus. Nach dem Auslösen bleibt die Stop-Limit-Order bei zu niedrigen Angeboten offen. Steigt das Kaufangebot später wieder auf mindestens 88 Euro, kann sie während ihrer Gültigkeit noch ausgeführt werden. Bleibt es darunter, behalten Sie die Aktien trotz des weiteren Kursrückgangs.
Stop und Limit dürfen auch denselben Wert haben. Mit beiden Angaben bei 90 Euro erlauben Sie nach dem Auslösen aber ausschließlich einen Verkauf zu 90 Euro oder höher. Schon ein Angebot knapp darunter reicht dann nicht. Ein niedrigeres Verkaufslimit lässt mehr Spielraum, allerdings nur bis zu dieser Grenze. Die US-Börsenaufsicht SEC erläutert Stop-Limit-Orders und ihre beiden Preisangaben (externer Link).
Welche Variante passt zu Ihrem Vorhaben?
Die Wahl hängt davon ab, was bei einem Kursrückgang Vorrang haben soll: der möglichst zügige Verkauf oder die Einhaltung eines Mindestpreises.
Eine Stop-Loss-Order passt zu einem Auftrag, bei dem Sie nach Erreichen der Marke verkaufen möchten und dafür auch einen niedrigeren Preis akzeptieren. Eine Stop-Limit-Order passt, wenn Sie die Aktien unterhalb Ihres Mindestpreises behalten möchten, selbst wenn der Kurs weiter fällt.
| Ihre Vorgabe | Stop-Loss beziehungsweise Stop-Market | Stop-Limit |
|---|---|---|
| Was geben Sie ein? | Stop-Kurs | Stop-Kurs und Verkaufslimit |
| Auftrag nach dem Auslösen | Verkauf ohne Preisgrenze | Verkauf mit Mindestpreis |
| Verkauf deutlich unter dem Stop-Kurs | Möglich | Nur innerhalb Ihres Verkaufslimits |
| Bei fehlendem Angebot zum Mindestpreis | Keine eigene Preisgrenze verhindert den Verkauf | Der Verkauf bleibt aus |
Bei einer Handelsunterbrechung muss auch eine Stop-Market-Order warten. Sobald wieder gehandelt wird, kann sie ohne die Beschränkung durch ein Verkaufslimit ausgeführt werden.
Für einen Verkauf bei steigenden Kursen brauchen Sie dagegen meist eine gewöhnliche Limit-Order. Steht die Aktie bei 100 Euro und Sie möchten mindestens 110 Euro erhalten, setzen Sie ein Verkaufslimit von 110 Euro. Ein Verkaufslimit von 90 Euro würde auch einen sofortigen Verkauf zu 100 Euro erlauben. Wie solche Preisgrenzen funktionieren, erklärt unser Ratgeber zur Limit-Order.
Wie wählen Sie den Stop-Kurs?
Überlegen Sie zunächst, bei welchem Rückgang Sie die Aktie tatsächlich verkaufen möchten. Der Stop-Auftrag setzt diese Entscheidung um. Er bewertet weder das Unternehmen noch die Gründe für den Kursrückgang.
Wenn Sie eine Aktie langfristig halten und zwischenzeitliche Schwankungen bewusst mittragen möchten, kann ein eng gesetzter Stop einen Verkauf auslösen, den Sie eigentlich nicht wollten. Planen Sie dagegen einen Verkauf, sobald ein bestimmter Rückgang eintritt, hilft der Auftrag dabei, diese Vorgabe umzusetzen, ohne den Kurs ständig zu beobachten.
Den Abstand zum aktuellen Kurs berechnen
Bei einem Kurs von 100 Euro liegt ein Stop bei 90 Euro zehn Prozent darunter. Die Rechnung lautet:
Abstand in Prozent = (aktueller Kurs minus Stop-Kurs) ÷ aktueller Kurs × 100
Die zehn Prozent sind eine Rechengröße aus unserem Beispiel, kein allgemein passender Abstand. Schauen Sie auch auf die Schwankungen der konkreten Aktie. Je näher der Stop am aktuellen Kurs liegt, desto eher kann eine kurze Gegenbewegung den Auftrag aktivieren.
Kursrückgang und eigenen Verlust unterscheiden
Haben Sie zehn Aktien für je 100 Euro gekauft, beträgt der Kursverlust bei einem Verkauf zu 90 Euro insgesamt 100 Euro vor Gebühren. Werden sie wegen eines Kurssprungs erst zu 82 Euro verkauft, sind es 180 Euro. Ein Stop bei 90 Euro begrenzt den Verlust deshalb nicht verbindlich auf 100 Euro.
Hatten Sie dieselben Aktien dagegen für je 70 Euro gekauft, ergibt ein Verkauf zu 90 Euro einen Kursgewinn von insgesamt 200 Euro vor Gebühren und Steuern. Für das Ergebnis zählt Ihr Kaufpreis. Der Abstand des Stops zum aktuellen Kurs zeigt nur, welcher Rückgang die Order auslösen soll.
So geben Sie einen Stop-Auftrag ein
Öffnen Sie im Depot Ihrer Bank oder Ihres Brokers den Verkaufsauftrag für die gewünschte Aktie. Die Grundlagen zur Bedienung eines Depots finden Sie im Ratgeber Aktien kaufen in Österreich.
- Aktie und Stückzahl prüfen. Wählen Sie „Verkaufen“ und tragen Sie ein, wie viele Ihrer Aktien der Auftrag betreffen soll. Sie können auch nur einen Teil Ihres Bestands verkaufen lassen.
- Handelsplatz und Auftragsart wählen. Prüfen Sie, welche Stop-Varianten Ihr Anbieter dort unterstützt. „Stop-Market“ oder „Stop-Loss“ bezeichnet meist die unlimitierte Variante. Bei „Stop-Limit“ kommt eine Preisgrenze hinzu.
- Preise eintragen. In unserem Beispiel sind das 90 Euro Stop-Kurs und bei Stop-Limit zusätzlich 88 Euro Verkaufslimit. Beide Angaben gelten je Aktie. Achten Sie auf die Währung und verwechseln Sie die Felder nicht.
- Gültigkeit festlegen. Ein tagesgültiger Auftrag verfällt am Ende des Handelstags. Soll der Auftrag mehrere Tage oder Wochen gelten, wählen Sie eine längere Laufzeit und kontrollieren das tatsächliche Ablaufdatum.
- Auftrag kontrollieren und bestätigen. Prüfen Sie Stückzahl, Ordertyp, Preise und Kosten. Vergewissern Sie sich anschließend in der Auftragsübersicht, dass Ihr Anbieter den Auftrag angenommen hat.
Bei Änderungen oder einer Stornierung warten Sie auf die Bestätigung, bevor Sie einen Ersatzauftrag erteilen. Solange der bisherige Auftrag aktiv ist, kann er noch ausgelöst und ausgeführt werden. Bereits verkaufte Aktien bekommen Sie durch eine spätere Stornierung nicht zurück.
Trailing-Stop: Wenn die Marke bei steigenden Kursen mitwandert
Ein gewöhnlicher Stop bei 90 Euro bleibt dort, auch wenn die Aktie auf 120 Euro steigt. Möchten Sie die Marke automatisch nachziehen lassen, können Sie eine Trailing-Stop-Order verwenden. Dafür legen Sie einen Abstand in Euro oder Prozent fest.
Mit einem Abstand von zehn Euro beginnt der Stop bei einem Kurs von 100 Euro bei 90 Euro. Steigt der Kurs auf 120 Euro, wandert der Stop auf 110 Euro. Fällt die Aktie anschließend auf 115 Euro, bleibt der Stop bei 110 Euro stehen. Er wird beim Verkauf also nur nach oben nachgezogen, nicht bei jedem Rückgang wieder abgesenkt.
Diese zehn Euro sind ein absoluter Abstand. Bei einem prozentualen Abstand ändern sich die Eurobeträge mit dem Kurs. Zehn Prozent unter 120 Euro ergeben beispielsweise einen Stop von 108 Euro.
Bei einem Trailing-Stop mit anschließender Market-Order kann der Verkaufspreis vom zuletzt errechneten Stop-Kurs abweichen. Eine Trailing-Stop-Limit-Variante ergänzt eine Preisgrenze und kann deshalb offen bleiben. Welche Varianten und Eingabefelder verfügbar sind, hängt vom Anbieter und Handelsplatz ab. flatex beschreibt beide Trailing-Varianten (externer Link).
Warum wurde der Stop-Auftrag nicht ausgeführt?
Prüfen Sie zuerst den Status in Ihrer Auftragsübersicht. Ein noch nicht ausgelöster Stop und eine bereits aktivierte, aber offene Limit-Order haben unterschiedliche Ursachen.
Bei einem noch nicht ausgelösten Auftrag kann die im Chart sichtbare Kursmarke täuschen. Der Chart kann einen anderen Handelsplatz oder einen zeitverzögerten Preis zeigen. Außerdem verwenden Anbieter unterschiedliche Preise für die Auslösung, etwa den letzten abgeschlossenen Handel oder aktuelle Kauf- und Verkaufsangebote. Diese Unterschiede erläutert der SEC-Ratgeber zu den Auslösebedingungen (externer Link).
Bei einer ausgelösten Stop-Limit-Order prüfen Sie, ob Käufer mindestens Ihr Verkaufslimit bieten. Zu 87 Euro darf der Auftrag aus unserem Beispiel nicht verkaufen. Auch bei einem passenden Preis kann die verfügbare Stückzahl zu klein sein. Dann ist eine Teilausführung möglich, bei der zunächst nur ein Teil Ihrer Aktien verkauft wird.
Kontrollieren Sie schließlich die Gültigkeit und die Handelszeiten. Ein abgelaufener oder abgelehnter Auftrag wartet nicht mehr auf Ihren Stop-Kurs. Außerhalb der für den Auftrag geltenden Handelszeiten oder während einer Handelsunterbrechung kann die Ausführung ausbleiben. Für Wien finden Sie die Termine im Ratgeber zu Handelszeiten und Feiertagen der Wiener Börse.
Vor dem Absenden sollte Ihre Entscheidung klar sein: Soll bei Erreichen des Stops möglichst zügig verkauft werden, auch zu einem schlechteren Preis? Oder möchten Sie unterhalb eines bestimmten Preises weiter Aktionär bleiben? Danach wählen Sie Stop-Loss oder Stop-Limit und kontrollieren die entsprechenden Angaben im Auftrag.
Dieser Beitrag erklärt Grundlagen und ist keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen dienen der Veranschaulichung.
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