Mit Dividenden können Aktien Geld aufs Konto bringen, ohne dass Sie Ihre Anteile verkaufen müssen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Dividenden zum Ertrag Ihrer Aktien beitragen und wie Sie die Dividendenrendite eines Unternehmens beurteilen.
Für Anleger in Österreich ist außerdem wichtig, was nach dem Steuerabzug von heimischen, deutschen und US-Dividenden bleibt. Außerdem erfahren Sie, bis wann Sie eine Aktie für die nächste Dividendenzahlung kaufen müssen.
Was Dividenden für Ihre Geldanlage bringen
Eine Dividende ist eine Gewinnausschüttung an die Aktionäre. Damit bekommen Sie einen Teil des Unternehmensgewinns ausgezahlt. Wer laufende Einnahmen aus seinem Depot beziehen möchte, kann diese Zahlungen nutzen, um etwa Ausgaben im Ruhestand zu decken. Der praktische Nutzen liegt darin, dass dafür keine Aktien verkauft werden müssen.
Beim Vermögensaufbau lässt sich die Dividende stattdessen wieder anlegen. Mit dem Geld können Sie eine bestehende Aktienposition ausbauen oder Aktien eines anderen Unternehmens kaufen. Neu gekaufte Aktien bringen bei späteren Ausschüttungen ebenfalls Dividenden. So können bereits erzielte Erträge weitere Erträge liefern. Diesen Effekt erklärt Vanguard anhand der Wiederanlage von Dividenden (externer Link).
Warum nicht jedes Unternehmen Dividenden zahlt
Ein Unternehmen muss abwägen, wofür es seinen Gewinn verwendet. Es kann Geld an die Aktionäre ausschütten oder es etwa in neue Produkte, zusätzliche Standorte und das weitere Wachstum investieren. Behält es den Gewinn im Unternehmen, setzen Anleger stärker darauf, dass sich das Geschäft und der Wert ihrer Aktien entwickeln. Die Wiener Börse erläutert diese unterschiedlichen Dividendenpolitiken (externer Link).
Bei österreichischen Aktiengesellschaften schlägt der Vorstand die Gewinnverwendung vor, die Hauptversammlung entscheidet darüber. Auch bei einem Unternehmen, das regelmäßig ausschüttet, stehen Höhe und Fortsetzung der Dividende deshalb nicht dauerhaft fest. Wer Einnahmen aus Dividenden plant, sollte die angekündigten Zahlungen verfolgen und nicht jedes Jahr denselben Betrag voraussetzen.
Wie Sie den Ertrag einer Dividende beurteilen
Eine jährliche Dividende von 2 Euro je Aktie lässt sich erst sinnvoll vergleichen, wenn Sie auch den Aktienpreis kennen. Kostet die Aktie 50 Euro, entsprechen die 2 Euro einer Dividendenrendite von 4 Prozent. Bei einem Preis von 100 Euro wären es mit derselben Dividende nur 2 Prozent.
Die Dividendenrendite setzt die jährliche Dividende je Aktie ins Verhältnis zum Aktienkurs. Sie berechnen sie so:
Jährliche Dividende je Aktie ÷ Aktienkurs × 100 = Dividendenrendite in Prozent
Für einen Vergleich verschiedener Aktien wird der aktuelle Kurs verwendet. Möchten Sie dagegen wissen, welche Ausschüttungsrendite Sie auf Ihren eigenen Kaufpreis erzielen, setzen Sie diesen Kaufpreis in die Formel ein. Beide Berechnungen verwenden zunächst die Bruttodividende. Die Wiener Börse beschreibt die Dividendenrendite als Kennzahl zur Ausschüttung (externer Link).
Eine hohe Prozentzahl kann auch durch einen gefallenen Aktienkurs entstehen. Sinkt der Kurs von 50 auf 25 Euro und wird weiterhin mit 2 Euro Dividende gerechnet, steigt die ausgewiesene Rendite von 4 auf 8 Prozent. Die Zahlung je Aktie ist dabei gleich geblieben. Prüfen Sie deshalb, ob die Berechnung eine bereits gezahlte oder eine neu angekündigte Dividende verwendet und ob das Unternehmen seine Ausschüttung verändert hat.
Konkrete Unternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Ausschüttungen finden Sie in unserer Auswahl der zehn besten Dividendenaktien in Österreich.
Dividende und Kursentwicklung gehören zusammen
Mit einer Ausschüttung verlässt Geld das Unternehmen. Die Dividende kommt deshalb nicht einfach als zusätzliches Vermögen zum unveränderten Aktienwert hinzu. Am Ex-Tag, dem ersten Handelstag ohne Anspruch auf diese Zahlung, wird ein rechnerischer Kursabschlag in Höhe der Bruttodividende vorgenommen. Diesen Dividendenabschlag erklärt die Wiener Börse (externer Link).
Bei einem Aktienkurs von 50 Euro und 2 Euro Dividende liegt der rechnerische Kurs nach dem Abschlag bei 48 Euro. Zu der Aktie kommt nun der Anspruch auf 2 Euro brutto. Der tatsächliche Börsenkurs bewegt sich zusätzlich durch Angebot, Nachfrage und neue Nachrichten und muss nicht genau bei 48 Euro stehen.
Um den Erfolg Ihrer Anlage zu beurteilen, betrachten Sie daher die erhaltenen Dividenden zusammen mit den Kursgewinnen oder Kursverlusten. Eine Aktie kann viel ausschütten und trotzdem insgesamt an Wert verlieren. Umgekehrt kann eine Aktie ohne Dividende durch ihre Kursentwicklung einen guten Ertrag bringen. Vanguard erläutert diese Betrachtung als Gesamtertrag (externer Link).
Wie viel bleibt von einer österreichischen Dividende netto?
Für Ihre Ausgaben oder die Wiederanlage zählt der Betrag nach Steuern. Für private Anleger mit steuerlichem Wohnsitz in Österreich fällt auf gewöhnliche Aktiendividenden 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer an, kurz KESt.
Besitzen Sie 100 Aktien mit Dividendenanspruch und werden 2 Euro je Aktie ausgeschüttet, ergibt das 200 Euro brutto. Davon werden 55 Euro KESt abgezogen. Übrig bleiben 145 Euro vor Brokergebühren.
Für eine österreichische Dividende lässt sich der Betrag nach diesem Steuerabzug direkt berechnen:
Bruttodividende × 0,725 = Nettodividende vor Brokergebühren
Die Beispiele rechnen mit dem regulären Steuersatz, ohne steuerlichen Verlustausgleich. Der Steuersatz und die Endbesteuerung sind beim BMF erläutert (externer Link).
Wie sich Aktienverluste mit Dividenden verrechnen lassen, erklärt unser Ratgeber zur Verlustverrechnung bei Aktien in Österreich.
Auch Ihre Dividendenrendite fällt nach dem Steuerabzug niedriger aus. Bei 2 Euro Bruttodividende bleiben regulär 1,45 Euro je Aktie. Bezogen auf einen Aktienpreis von 50 Euro sind das 2,9 Prozent nach KESt statt 4 Prozent brutto, jeweils vor Gebühren.
Bei einem Depot mit österreichischer Steuerabwicklung wird die KESt automatisch einbehalten. Die damit endbesteuerten Dividenden müssen Sie nicht nochmals in die Einkommensteuererklärung aufnehmen. Wie Sie ein solches Depot auswählen, erklärt der Ratgeber Steuereinfache Broker in Österreich.
Bei einem ausländischen Depot ohne österreichischen Steuerabzug kann zunächst mehr Geld auf dem Konto ankommen. Die österreichische Steuer ist dadurch noch nicht bezahlt. Solche ausländischen Dividenden müssen in die Einkommensteuererklärung aufgenommen werden. Das BMF beschreibt diesen Fall in den Informationen zu ausländischen Dividenden (externer Link).
Was bei ausländischen Dividenden anders ist
Bei einer ausländischen Aktie kann das Land des Unternehmens bereits Steuer auf die Ausschüttung einbehalten. Diese heißt Quellensteuer. Daneben ist die Dividende in Österreich steuerpflichtig. Damit beide Länder nicht einfach ihre volle Steuer nebeneinander erheben, gibt es Regeln zur Anrechnung und Doppelbesteuerungsabkommen.
Eine österreichische Bank kann tatsächlich einbehaltene ausländische Quellensteuer bis zu 15 Prozent der Bruttodividende auf die KESt anrechnen. Bei 15 Prozent anrechenbarer Quellensteuer bleiben daher noch 12,5 Prozent österreichische KESt. Die BMF-Erklärung zur Besteuerung von Dividenden (externer Link) beschreibt diese Anrechnung.
Bei gewöhnlichen US-Aktiendividenden sieht das Doppelbesteuerungsabkommen mit Österreich (externer Link) einen ermäßigten Quellensteuersatz von 15 Prozent vor. Wendet der Broker diesen Satz an und rechnet die Steuer vollständig auf die KESt an, bleiben von 200 Euro brutto 145 Euro vor Gebühren.
Bei deutschen Dividenden werden zunächst regulär 26,375 Prozent einbehalten, wie das Bundeszentralamt für Steuern erläutert (externer Link). Zusammen mit der verbleibenden österreichischen KESt kommt dadurch vorerst weniger auf dem Konto an. Die folgenden Beispiele zeigen den Unterschied:
| Aktie | Ausländische Quellensteuer | Österreichische KESt | Gutschrift vor Gebühren |
|---|---|---|---|
| Österreichische Aktie | 0 Euro | 55 Euro | 145 Euro |
| US-Aktie mit reduziertem Quellensteuersatz | 30 Euro | 25 Euro | 145 Euro |
| Deutsche Aktie vor Quellensteuererstattung | 52,75 Euro | 25 Euro | 122,25 Euro |
Nach dem Abkommen mit Deutschland (externer Link) darf die deutsche Steuer für gewöhnliche Dividenden an österreichische Privatanleger 15 Prozent betragen. Nach erfolgreicher Rückforderung der überschüssigen 22,75 Euro wären im Beispiel ebenfalls 145 Euro übrig. Wie Sie den rückforderbaren Betrag ermitteln, welche Unterlagen Sie brauchen und wann sich ein Antrag lohnt, erklärt der Ratgeber Quellensteuer zurückholen in Österreich.
Welche Kosten die Gutschrift noch verringern können
Manche Banken verrechnen Spesen für Dividendengutschriften. Bei ausländischen Aktien können außerdem Kosten für die Umrechnung in Euro entstehen. Diese Beträge werden zusätzlich zu den Steuern abgezogen oder separat verrechnet. Im Preisverzeichnis finden Sie sie meist unter „Erträgnisse“, „Dividendengutschriften“ oder „Devisenkonvertierung“.
Eine feste Gebühr fällt bei kleinen Ausschüttungen besonders auf. Bei einer beispielhaften Gebühr von 3 Euro je Gutschrift kosten vier vierteljährliche Zahlungen insgesamt 12 Euro im Jahr. Für ein Depot mit mehreren Dividendenaktien lohnt es sich, diese Kosten schon vor der Eröffnung zu vergleichen.
Wie die Dividende auf Ihr Konto kommt
Nach dem Beschluss der Ausschüttung übernimmt Ihre depotführende Bank oder Ihr Broker die Auszahlung. Sie müssen dafür keinen Zahlungsantrag stellen und nicht an der Hauptversammlung teilnehmen. Das Geld wird auf dem Verrechnungskonto gutgeschrieben, also dem Konto, über das die Zahlungen zu Ihrem Depot laufen. Diesen Ablauf beschreibt die Wiener Börse in ihrer Erklärung zur Dividende (externer Link).
Bei österreichischen Unternehmen wird die reguläre Dividende häufig einmal im Jahr ausgezahlt. Andere Unternehmen verteilen ihre Ausschüttungen auf mehrere Termine. So zahlt Coca-Cola regelmäßige Quartalsdividenden (externer Link), also vier Ausschüttungen im Jahr. Für jeden dieser Termine gibt es einen eigenen Dividendenanspruch.
Wo finden Sie den nächsten Auszahlungstermin?
Schauen Sie auf der Website des Unternehmens in den Bereich „Investor Relations“ oder „Investoren“. Im Finanzkalender und in der Dividendenbekanntmachung stehen die Zahlungstermine. Prüfen Sie bei der Höhe auch, ob es sich noch um einen Vorschlag oder bereits um eine beschlossene Dividende handelt.
Wann müssen Sie die Aktie besitzen?
Für die nächste Dividende müssen Sie die Aktie vor dem Ex-Tag kaufen. Ab diesem Tag wird sie ohne Anspruch auf die anstehende Ausschüttung gehandelt. Wer erst am Ex-Tag kauft, bekommt diese Dividende nicht mehr.
Im Finanzkalender finden Sie daneben den Nachweisstichtag, auch Record Date genannt. Er legt fest, welcher abgewickelte Aktienbestand für die Zahlung zählt. Zwischen dem Börsenkauf und seiner Abwicklung liegt Zeit. Deshalb reicht es nicht, die Aktie erst am Nachweisstichtag zu kaufen. Der letzte Handelstag mit Dividendenanspruch heißt Cum-Tag. Die Wiener Börse erklärt diese Stichtage (externer Link).
Am Zahltag beginnt die Auszahlung. Wie die Termine zusammenhängen, zeigt eine abgeschlossene Dividendenzahlung der OMV.
| Termin | Datum | Bedeutung |
|---|---|---|
| Ex-Tag | 8. Juni 2026 | Ab diesem Tag gekaufte Aktien brachten keinen Anspruch auf diese Dividende. |
| Nachweisstichtag | 9. Juni 2026 | Der abgewickelte Aktienbestand war für die Ausschüttung maßgeblich. |
| Zahltag | 11. Juni 2026 | Die Auszahlung über die depotführenden Banken begann. |
Die Termine sind in der Dividendenbekanntmachung der OMV (externer Link) festgehalten. Für spätere Ausschüttungen gelten die jeweils neu veröffentlichten Termine.
So prüfen Sie Ihre Dividendenabrechnung
Nach einer Ausschüttung finden Sie die Abrechnung im Postfach Ihres Brokers. Mit ihr können Sie nachvollziehen, wie aus der angekündigten Dividende der gutgeschriebene Betrag geworden ist.
- Aktie und Stückzahl abgleichen. Prüfen Sie die ISIN und die dividendenberechtigte Anzahl Ihrer Aktien. Die ISIN ist die eindeutige Wertpapierkennnummer. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Was die ISIN verrät.
- Bruttobetrag berechnen. Multiplizieren Sie die Dividende je Aktie mit der Stückzahl. Beachten Sie die Währung der Ausschüttung.
- Steuerabzüge ansehen. Bei ausländischen Aktien sind die Quellensteuer, ihre Anrechnung und die österreichische KESt relevant.
- Spesen und Umrechnung prüfen. Vergleichen Sie die ausgewiesenen Gebühren mit Ihrem Depotpreisblatt und den umgerechneten Betrag mit dem verwendeten Wechselkurs.
- Kontogutschrift abgleichen. Bruttobetrag abzüglich Steuern und direkt einbehaltener Gebühren sollte der Abrechnung entsprechen. Separat gebuchte Spesen finden Sie in den Kontoumsätzen.
Wenn eine Zahlung fehlt, prüfen Sie zuerst den Zahltag und ob Ihr Kauf vor dem Ex-Tag ausgeführt wurde. Fragen Sie anschließend beim Broker mit der ISIN und dem angekündigten Zahltag nach. So lässt sich die Ausschüttung eindeutig zuordnen.
Für Ihre weitere Planung lässt sich aus der Abrechnung ablesen, wie viel von der Ausschüttung tatsächlich verfügbar ist. Möchten Sie das Geld wieder anlegen, rechnen Sie mit diesem Nettobetrag und den Kosten des nächsten Aktienkaufs. Nutzen Sie Dividenden als laufende Einnahmen, richten Sie Ihre Planung nach den angekündigten Zahlungen, deren Rhythmus und dem Betrag nach Steuern aus.
Quellen geprüft am 4. Oktober 2026.
Dieser Beitrag erklärt Grundlagen und ist keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen dienen der Veranschaulichung.
Alle Ratgeber