Nach einem Aktiensplit kann das Depot ungewohnt aussehen: Die Stückzahl ist gestiegen, der Kurs je Aktie deutlich niedriger. Wer nur auf einen der beiden Werte schaut, könnte einen Gewinn oder einen starken Kursverlust vermuten.
Dieser Ratgeber erklärt, wie Stückzahl und Kurs zusammenhängen und was sich tatsächlich an Ihrer Anlage ändert. Sie erfahren, warum Unternehmen ihre Aktien teilen, was Sie nach der Umbuchung kontrollieren sollten und ob ein Kauf vor oder nach dem Split einen Unterschied macht. Auch die umgekehrte Variante, der Reverse Split, wird anhand eines Beispiels verständlich.
Was ist ein Aktiensplit?
Bei einem Aktiensplit wird eine Aktie in mehrere Aktien aufgeteilt. Aus einer alten Aktie werden beispielsweise vier neue. Der Anteil am Unternehmen, den die einzelne Aktie verkörpert, wird entsprechend kleiner.
Für alle Aktionäre gilt dieselbe Umrechnung. Wer vorher einen bestimmten prozentualen Anteil am Unternehmen besessen hat, hält diesen Anteil auch nach dem Split. Das Unternehmen bekommt durch die Teilung kein zusätzliches Geld. Diese Funktionsweise beschreibt das Börsenlexikon der Deutschen Börse (externer Link).
Ein Split wird häufig als Verhältnis angegeben. Bei 1:4 erhalten Sie für eine alte Aktie insgesamt vier neue Aktien. In englischen Meldungen steht dafür oft „4-for-1“. Entscheidend ist die ausgeschriebene Erklärung, wie viele neue Aktien aus einer alten werden. Das verhindert Verwechslungen mit einer Aktienzusammenlegung.
Ein Beispiel: Viermal so viele Aktien zum Viertel des Kurses
Angenommen, Sie besitzen zehn Aktien eines fiktiven Unternehmens. Vor dem Split liegt der Kurs bei 100 Euro. Die Position ist damit 1.000 Euro wert. Das Unternehmen führt einen Split durch, bei dem aus jeder Aktie vier Aktien werden.
| Ihre Position | Vor dem Split | Nach dem Split |
|---|---|---|
| Aktien im Depot | 10 Stück | 40 Stück |
| Rechnerischer Kurs je Aktie | 100 Euro | 25 Euro |
| Gesamtwert der Position | 1.000 Euro | 1.000 Euro |
Die neue Stückzahl ergibt sich aus zehn mal vier. Der bisherige Kurs wird durch vier geteilt. Damit bleibt der Wert der Position durch die reine Umrechnung gleich.
Bisheriger Aktienkurs ÷ Splitfaktor = Rechnerischer Kurs nach dem Split
An der Börse kommen anschließend die üblichen Kursbewegungen hinzu. Handelt die Aktie nach dem Split bei 26 Euro, sind Ihre vierzig Aktien 1.040 Euro wert. Dieser Zuwachs entsteht durch den höheren Börsenkurs gegenüber den rechnerischen 25 Euro, nicht durch die zusätzliche Stückzahl.
Warum Unternehmen ihre Aktien teilen
Ist der Kurs einer Aktie stark gestiegen, kann ein einzelnes Stück mehrere Hundert oder Tausend Euro kosten. Mit einem Split senkt das Unternehmen den Betrag, den Anleger für eine ganze Aktie benötigen. Das kann den Kauf mit kleineren Beträgen erleichtern.
Apple nannte genau diesen Grund bei seinem Split von 2020: Die Aktie sollte für mehr Anleger zugänglich werden. Auch NVIDIA begründete seinen Split von 2024 mit dem erleichterten Zugang für Anleger und Mitarbeiter.
| Unternehmen | Aus einer Aktie wurden | Erster Handel mit angepasstem Kurs |
|---|---|---|
| Apple | 4 Aktien | 31. August 2020 |
| NVIDIA | 10 Aktien | 10. Juni 2024 |
Die Angaben stehen in der Apple-Mitteilung zum Split (externer Link) und den NVIDIA-Erläuterungen zum Split von 2024 (externer Link). Die genannten Tage sind die ersten Handelstage mit angepasstem Kurs. Die Einbuchung der zusätzlichen Aktien und der Handel zu den neuen Kursen können auf unterschiedliche Termine fallen.
Was Sie nach einem Aktiensplit im Depot prüfen sollten
Die Umbuchung übernimmt Ihre Bank oder Ihr Broker. Sie müssen die zusätzlichen Aktien nicht selbst kaufen und auch keinen Verkaufsauftrag erteilen. Während der Umstellung kann die Depotanzeige vorübergehend unvollständig sein, etwa wenn bereits der neue Kurs angezeigt wird, die zusätzliche Stückzahl aber noch fehlt.
Prüfen Sie nach Abschluss der Buchung die Anzahl der Aktien und die Abrechnung zur Kapitalmaßnahme. Die neue Stückzahl muss zum angekündigten Verhältnis passen. Bei einem Split 1:4 sollten aus zehn Aktien vierzig geworden sein. Auch die gespeicherten Anschaffungskosten je Stück müssen entsprechend angepasst werden.
Schauen Sie außerdem in Ihr Orderbuch, wenn noch Kauf- oder Verkaufsaufträge offen sind. Solche Aufträge können im Zuge eines Splits gelöscht werden. Beim NVIDIA-Split kündigte die Wiener Börse ausdrücklich die Löschung bestehender Orders (externer Link) an. Die Anleger mussten ihre Aufträge anschließend neu erteilen.
Übernehmen Sie dabei nicht einfach den alten Preis und die alte Stückzahl. Ein Kauflimit von 100 Euro vor einem Split 1:4 entspricht rechnerisch 25 Euro danach. Ob Sie den Auftrag zu diesem Preis weiterhin ausführen lassen möchten, entscheiden Sie anhand der aktuellen Marktlage.
Was passiert mit Dividenden und der Bewertung?
Auch Angaben je Aktie müssen nach einem Split zur neuen Stückzahl passen. Das betrifft sowohl die Dividende als auch den Gewinn je Aktie. Sonst würde der Vergleich mit früheren Jahren ein falsches Bild ergeben.
Bleibt der gesamte Ausschüttungsbetrag unverändert, wird die Dividende je Aktie im Splitverhältnis angepasst. In unserem Beispiel würden aus zwei Euro Dividende je alter Aktie 50 Cent je neuer Aktie. Zehn alte Aktien zu zwei Euro und vierzig neue Aktien zu 50 Cent ergeben jeweils 20 Euro brutto. Die proportionale Anpassung erläutert auch die US-Börsenaufsicht auf Investor.gov (externer Link). Das Unternehmen kann seine Dividende unabhängig davon erhöhen oder senken.
Die Bewertung wird durch die Teilung ebenfalls nicht günstiger. Kostet eine Aktie vor dem Split 100 Euro und erzielt das Unternehmen fünf Euro Gewinn je Aktie, beträgt das KGV 20. Nach einem Split 1:4 stehen rechnerisch 25 Euro Kurs und 1,25 Euro Gewinn je Aktie gegenüber. Das KGV bleibt 20. Wie Sie diese Kennzahl einsetzen, erklärt der Ratgeber zum Kurs-Gewinn-Verhältnis.
Sollte man vor oder nach einem Aktiensplit kaufen?
Für denselben Anlagebetrag erwerben Sie durch die reine Umrechnung denselben Anteil am Unternehmen. Mit 1.000 Euro könnten Sie im Beispiel vor dem Split zehn Aktien kaufen oder danach vierzig. Der niedrigere Stückpreis kann praktisch sein, wenn Sie nur eine oder wenige ganze Aktien kaufen möchten.
Eine Meldung zum Split kann zusätzliche Aufmerksamkeit schaffen und die Nachfrage beeinflussen. Ob der Kurs zwischen Ankündigung und Durchführung steigt oder fällt, hängt aber auch von Unternehmensnachrichten und dem Markt ab. Aus dem Splitverhältnis lässt sich keine verlässliche Kaufstrategie ableiten.
Für Ihre Entscheidung sind die Geschäftsaussichten und der Preis für Ihren Anteil am Unternehmen wichtig. Der Ratgeber zum Analysieren von Aktien zeigt, wie Sie diese Punkte prüfen. Wer bereits investiert ist und die Aktie weiter halten möchte, kann den Split abwickeln lassen und anschließend die Depotbuchung kontrollieren.
Reverse Split: Wenn mehrere Aktien zusammengelegt werden
Bei einem Reverse Split läuft die Umrechnung in die andere Richtung. Mehrere alte Aktien werden zu einer neuen zusammengefasst. Aus hundert Aktien zu je einem Euro könnten beispielsweise zehn Aktien zu je zehn Euro werden. Der Gesamtwert beträgt in beiden Fällen rechnerisch 100 Euro.
Ein Grund kann ein sehr niedriger Aktienkurs sein. An manchen Börsen müssen Unternehmen einen Mindestkurs einhalten, um weiter gelistet zu bleiben. Ein Reverse Split kann helfen, diese Anforderung wieder zu erfüllen. Diesen Zusammenhang beschreibt Investor.gov zur Aktienzusammenlegung (externer Link).
Wurde die Zusammenlegung nach starken Kursverlusten beschlossen, lohnt sich ein Blick auf deren Ursachen. Der höhere Kurs je Stück entsteht zunächst aus der Umrechnung. Ob sich das Geschäft erholt, müssen Sie anhand von Umsatz, Gewinn und finanzieller Lage beurteilen.
Geht die Stückzahl nicht glatt auf, können Bruchteile entstehen. Bei 103 alten Aktien und einer Zusammenlegung von zehn zu einer ergeben sich rechnerisch 10,3 neue Aktien. Wie mit dem Rest verfahren wird, steht in den Bedingungen der Maßnahme. Möglich ist etwa eine Auszahlung für den Bruchteil.
Aktiensplit und Steuern in Österreich
Bei einem gewöhnlichen Aktiensplit wird in Österreich kein Verkaufsgewinn realisiert. Die bisherigen Anschaffungskosten werden auf die neue Aktienzahl verteilt. Das regelt die Kapitalmaßnahmen-Verordnung, insbesondere § 2 und § 6 (externer Link).
Haben Sie die zehn Aktien unseres Beispiels ursprünglich für je 80 Euro gekauft, betragen die gesamten Anschaffungskosten 800 Euro. Nach dem Split verteilen sich diese 800 Euro auf vierzig Aktien. Die Anschaffungskosten je neuer Aktie liegen bei 20 Euro. Sie werden also nicht auf den neuen Börsenkurs von 25 Euro gesetzt.
Dieser Unterschied ist wichtig, wenn Sie die Aktien später verkaufen und der Gewinn für die Steuer berechnet wird. Auch bei einer reinen Aktienzusammenlegung werden die bisherigen Anschaffungskosten auf die neue Stückzahl umgerechnet. Eine tatsächliche Auszahlung für Bruchteile ist gesondert zu betrachten.
Die Mitteilung des Unternehmens und die Depotabrechnung helfen Ihnen, die Umstellung nachzuvollziehen. Bewahren Sie die Abrechnung auf. Falls Stückzahl oder Anschaffungskosten nach Abschluss der Buchung nicht zum Splitverhältnis passen, können Sie die Bank mit den konkreten Angaben um eine Prüfung bitten.
Dieser Beitrag erklärt Grundlagen und ist keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen dienen der Veranschaulichung.
Alle Ratgeber