Kündigt ein Unternehmen einen Aktienrückkauf an, betrifft das auch Aktionäre, die ihre Anteile behalten möchten. Für sie stellt sich die Frage, wie der Rückkauf ihre Anlage verändert und ob sie etwas unternehmen müssen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, warum Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen und wann die verbleibenden Aktionäre davon profitieren. Ein einfaches Zahlenbeispiel erklärt die Wirkung auf den Gewinn je Aktie. Ein abgeschlossener Rückkauf der BAWAG zeigt außerdem, wie sich solche Programme in der Praxis nachvollziehen lassen.
Was ist ein Aktienrückkauf?
Bei einem Aktienrückkauf kauft ein Unternehmen Aktien, die es zuvor selbst ausgegeben hat. Es verwendet dafür Geld aus der Unternehmenskasse und erwirbt die Anteile von Anlegern, die verkaufen möchten. Den Begriff erklärt auch das Börsenlexikon der Deutschen Börse (externer Link).
Häufig übernimmt eine beauftragte Bank die Käufe an der Börse. Das Unternehmen legt für das Rückkaufprogramm einen Zeitraum und einen finanziellen Rahmen fest. Die Aktien werden dann nach und nach gekauft. Eine Ankündigung über 100 Millionen Euro beschreibt zunächst das vorgesehene Budget. Wie viel tatsächlich ausgegeben wurde, steht in den späteren Meldungen zum Programm.
Wer seine Aktien behalten möchte, muss bei einem gewöhnlichen Börsenrückkauf nichts tun. Ihre Bank verkauft die Anteile nicht automatisch. Das Geld des Unternehmens erhalten die Verkäufer, nicht alle Aktionäre.
Daneben gibt es öffentliche Rückkaufangebote. Dabei bietet das Unternehmen seinen Aktionären an, innerhalb einer bestimmten Frist Aktien zu festgelegten Bedingungen zu verkaufen. Auch hier entscheiden Sie selbst, ob Sie das Angebot annehmen möchten.
Warum kaufen Unternehmen eigene Aktien zurück?
Ein Unternehmen muss entscheiden, wie es sein Geld verwendet. Es kann etwa neue Anlagen bauen, andere Firmen übernehmen, Schulden zurückzahlen oder Geld an Aktionäre weitergeben. Für die letzte Möglichkeit kommen Dividenden und Aktienrückkäufe infrage.
Ein Rückkauf kann sinnvoll sein, wenn nach den geplanten Investitionen ausreichend Geld vorhanden ist und das Management die eigene Aktie für günstig hält. Das Unternehmen kauft dann einen Teil seiner Eigentümer aus. Die übrigen Aktionäre bleiben beteiligt und teilen sich künftig den Gewinn mit weniger anderen Anlegern.
Manche Unternehmen kaufen Aktien für einen anderen Zweck zurück. Sie benötigen die Anteile etwa für Mitarbeiterprogramme oder als Teil des Kaufpreises bei einer Übernahme. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Rückkaufankündigung: Werden die Aktien dauerhaft aus dem Verkehr gezogen oder sollen sie später wieder an Mitarbeiter oder andere Eigentümer gehen?
Was passiert mit den zurückgekauften Aktien?
Das Unternehmen kann die Aktien einziehen. Damit werden sie dauerhaft aufgehoben und die Gesamtzahl der Aktien sinkt. Wer seine Anteile behält, besitzt anschließend einen größeren prozentualen Anteil am Unternehmen.
Alternativ hält die Gesellschaft die Aktien zunächst selbst. Diese werden als eigene Aktien bezeichnet. In Österreich stehen der Gesellschaft daraus keine Rechte zu. Sie kann damit also weder abstimmen noch Dividenden an sich selbst auszahlen. Die Grundlage ist § 65 Absatz 5 des österreichischen Aktiengesetzes (externer Link).
Auch solche eigenen Aktien werden bei der Berechnung des Gewinns je Aktie nicht als ausstehende Aktien mitgezählt. Werden sie später wieder ausgegeben, etwa an Mitarbeiter, erhöht sich die Zahl der ausstehenden Aktien erneut. Für Anleger ist deshalb interessant, wie sich die Aktienzahl über mehrere Jahre entwickelt. Große Rückkäufe können durch neue Aktien oder die Weitergabe eigener Aktien teilweise ausgeglichen werden.
Wie sich ein Aktienrückkauf auf den Gewinn je Aktie auswirkt
Der Gewinn je Aktie zeigt, welcher Anteil am Unternehmensgewinn rechnerisch auf eine einzelne Aktie entfällt. Sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien, verteilt sich derselbe Gewinn auf weniger Anteile. Das lässt sich mit einem einfachen Beispiel zeigen.
Ein fiktives Unternehmen hat zehn Millionen Aktien und erzielt 100 Millionen Euro Jahresgewinn. Es kauft eine Million Aktien zum Durchschnittspreis von 50 Euro zurück und zieht sie anschließend ein. Der Rückkauf kostet somit 50 Millionen Euro. Für unsere Rechnung bleibt der Jahresgewinn unverändert.
| Kennzahl | Vor dem Rückkauf | Nach dem Rückkauf |
|---|---|---|
| Zahl der Aktien | 10 Millionen | 9 Millionen |
| Jahresgewinn | 100 Millionen Euro | 100 Millionen Euro |
| Gewinn je Aktie | 10 Euro | rund 11,11 Euro |
| Ihre Aktien im Depot | 100 Stück | 100 Stück |
Jahresgewinn ÷ Zahl der ausstehenden Aktien = Gewinn je Aktie
Der Gewinn je Aktie steigt in diesem Beispiel um rund 11,1 Prozent. Das Unternehmen hat dafür keine zusätzlichen Gewinne erwirtschaftet. Die Verbesserung entsteht allein durch die geringere Aktienzahl. Wenn Sie Geschäftsberichte vergleichen, schauen Sie deshalb sowohl auf den gesamten Gewinn als auch auf den Gewinn je Aktie.
Im tatsächlichen Jahresabschluss zählt für den Gewinn je Aktie der zeitlich gewichtete Durchschnitt der ausstehenden Aktien. Ein Rückkauf kurz vor Jahresende wirkt sich im betreffenden Jahr daher weniger stark aus als in unserer vereinfachten Rechnung. Diese Berechnung regelt der Rechnungslegungsstandard IAS 33 (externer Link).
Mit dem Gewinn je Aktie berechnet sich auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Bei unverändertem Aktienkurs sinkt das KGV, wenn der Gewinn je Aktie steigt. Für die Bewertung bleibt aber wichtig, dass das Unternehmen in unserem Beispiel 50 Millionen Euro aus seiner Kasse ausgegeben hat.
Steigt durch einen Aktienrückkauf der Kurs?
Rückkäufe können den Aktienkurs unterstützen. Das Unternehmen tritt selbst als Käufer auf. Zudem kann die Ankündigung Anlegern signalisieren, dass das Management Geld übrig hat und die eigene Aktie für attraktiv hält. Ob der Kurs steigt, hängt allerdings auch davon ab, was der Markt bereits erwartet hat und wie sich das Geschäft entwickelt.
Für die verbleibenden Aktionäre ist vor allem der Kaufpreis wichtig. Kauft das Unternehmen seine Aktien unter ihrem wirtschaftlichen Wert zurück, kann es den Wert je verbleibender Aktie erhöhen. Zahlt es zu viel, wird Unternehmensgeld zum Nachteil der Aktionäre eingesetzt, die ihre Aktien behalten. Diesen Zusammenhang erläutert Warren Buffett im Aktionärsbrief von Berkshire Hathaway für 2022 (externer Link).
Auch die Finanzierung gehört zur Beurteilung. Geld, das für einen Rückkauf ausgegeben wurde, steht anschließend nicht mehr für Investitionen, Schuldenrückzahlungen oder schwierige Geschäftsjahre bereit. Finanziert ein Unternehmen den Rückkauf mit neuen Krediten, kommen Zinskosten hinzu. Sie können den künftigen Gewinn belasten.
Ein guter Rückkauf passt deshalb zur finanziellen Lage des Unternehmens und erfolgt zu einem vernünftigen Preis. Wie Sie Geschäft, Verschuldung und Bewertung zusammen betrachten, erklärt der Ratgeber zum Analysieren von Aktien.
Beispiel aus Österreich: Der Aktienrückkauf der BAWAG
Bei der BAWAG lässt sich ein abgeschlossener Rückkauf anhand der veröffentlichten Zahlen verfolgen. Laut Geschäftsbericht für 2025 (externer Link) verwendete die Bank in diesem Jahr 175 Millionen Euro für Aktienrückkäufe.
Nach Abschluss des Programms zog die BAWAG 1,6 Millionen eigene Aktien ein. Dadurch sank die Gesamtzahl von 78,6 Millionen auf 77 Millionen Aktien. Die Einziehung wurde an der Wiener Börse am 22. September 2025 wirksam. Die genauen Angaben stehen in der Mitteilung zur Einziehung der Aktien (externer Link).
Für Aktionäre, die ihre Anteile behielten, blieb die Stückzahl im Depot gleich. Ihr prozentualer Anteil an der Bank wurde größer. Das Beispiel zeigt auch, welche zwei Angaben man getrennt prüfen sollte: das Geld, das für Rückkäufe ausgegeben wurde, und die Aktienzahl nach der anschließenden Einziehung.
Aktienrückkauf oder Dividende: Was ist der Unterschied?
Mit einer Dividende erhalten Aktionäre Geld ausgezahlt, ohne Aktien verkaufen zu müssen. Beim Rückkauf fließt das Geld dagegen an diejenigen, die ihre Aktien verkaufen. Anleger, die beteiligt bleiben, profitieren vor allem dann, wenn das Unternehmen mit dem Rückkauf den Wert ihrer verbleibenden Anteile erhöht.
| Frage | Dividende | Aktienrückkauf |
|---|---|---|
| Wer erhält Geld? | Dividendenberechtigte Aktionäre | Verkäufer der Aktien |
| Bekommen Sie Geld, wenn Sie alle Aktien behalten? | Ja | Nein |
| Was passiert mit der Aktienzahl? | Bleibt durch die Dividende unverändert | Sinkt dauerhaft bei Einziehung |
| Wodurch profitieren Anleger? | Direkte Ausschüttung | Möglicher Wertzuwachs je verbleibender Aktie |
Unternehmen können beides kombinieren. Für Anleger, die regelmäßig Geld aus ihrem Depot erhalten möchten, ist die Dividende unmittelbar nutzbar. Einen Rückkauf beurteilen Sie dagegen danach, wie sinnvoll das Unternehmen sein Geld einsetzt. Eine Dividende und ihre Wirkung auf den Aktienkurs erklären wir im Ratgeber zu Dividenden in Österreich.
Für Privatpersonen in Österreich löst ein gewöhnlicher Börsenrückkauf allein keinen Steuerabzug auf die behaltenen Aktien aus. Sie erhalten daraus keine Zahlung und verkaufen selbst keine Anteile. Verkaufen Sie ab 2011 erworbene Aktien (externer Link) über die Börse mit Gewinn, unterliegt dieser grundsätzlich 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer. Auch gewöhnliche Dividenden werden mit 27,5 Prozent besteuert. Das Bundesministerium für Finanzen erläutert die Besteuerung von Dividenden und Aktiengewinnen (externer Link).
Worauf Sie bei einer Rückkaufankündigung achten sollten
Die Meldung zum Rückkauf finden Sie meist auf der Website des Unternehmens im Bereich Investor Relations. Dort stehen Umfang, Laufzeit und Verwendungszweck. Für die Beurteilung helfen vier Fragen:
- Was ist geplant und was wurde schon gekauft? Unterscheiden Sie zwischen der Ermächtigung der Hauptversammlung, einem angekündigten Programm und tatsächlich ausgeführten Käufen. Erst die Ausführungsmeldungen zeigen die gekauften Stückzahlen und Preise.
- Wofür werden die Aktien verwendet? Eine Einziehung senkt die Gesamtzahl dauerhaft. Bei Mitarbeiterprogrammen oder einer späteren Weitergabe kann die Zahl der ausstehenden Aktien wieder steigen.
- Kann sich das Unternehmen den Rückkauf leisten? Prüfen Sie, wie viel Geld nach Investitionen verfügbar ist und wie hoch die Schulden sind. Bei Banken sind auch die veröffentlichten Kapitalquoten relevant.
- Zu welchem Preis wurde zurückgekauft? Vergleichen Sie den durchschnittlichen Kaufpreis mit Ihrer Einschätzung zum Unternehmenswert. Einen größeren Anteil an einem Unternehmen zu besitzen ist besonders dann attraktiv, wenn dieser Anteil günstig erworben wurde.
Zum nächsten Geschäftsbericht lohnt sich ein zweiter Blick: Wie viele Aktien sind nun ausstehend und wie hat sich der gesamte Gewinn entwickelt? So erkennen Sie, ob der Rückkauf die Beteiligung der verbleibenden Aktionäre vergrößert hat und ob sich zugleich das Geschäft verbessert hat.
Dieser Beitrag erklärt Grundlagen und ist keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen dienen der Veranschaulichung.
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