Basiswissen 07.10.2026 9 Min. Lesezeit

Aktien analysieren: So prüfen Sie Unternehmen vor dem Kauf

Aktien analysieren: Geschäftsmodell, Gewinne, Schulden und Bewertung verständlich prüfen. Mit einem durchgehenden Beispiel und kostenlosen Informationsquellen.

Vor einem Aktienkauf lohnt sich ein Blick auf das Unternehmen, an dem Sie sich beteiligen. Sie wollen schließlich verstehen, womit es Geld verdient und warum sein Geschäft auch künftig gefragt sein könnte. Anschließend lässt sich besser beurteilen, welchen Preis Sie für diese Beteiligung bezahlen möchten.

Dieser Ratgeber führt Sie durch eine erste Unternehmensanalyse. Sie erfahren, wo Sie die nötigen Informationen finden und wie Sie Geschäftsmodell, Gewinne, Schulden und Aktienbewertung prüfen. Ein durchgehendes Beispiel zeigt, wie Sie aus den Zahlen konkrete Fragen für Ihre Kaufentscheidung entwickeln.

Wo finden Sie die Informationen für eine Aktienanalyse?

Beginnen Sie auf der Website des Unternehmens im Bereich „Investor Relations“. Dort veröffentlicht es Informationen für Anleger, darunter Geschäftsberichte, aktuelle Ergebnisse und Präsentationen. Ein österreichisches Beispiel ist das Download-Center der Österreichischen Post (externer Link). Die Berichte sind öffentlich zugänglich.

Für einen ersten Überblick helfen die Unternehmensbeschreibung und die Erläuterungen zur Geschäftsentwicklung. Danach können Sie gezielt die passenden Zahlen nachschlagen. Im Geschäftsbericht finden Sie dafür vor allem drei Teile:

  • Gewinn- und Verlustrechnung: Welche Umsätze erzielt das Unternehmen, welche Kosten entstehen und welcher Gewinn bleibt?
  • Bilanz: Welche Vermögenswerte, Schulden und eigenen Mittel hat das Unternehmen am Bilanzstichtag?
  • Kapitalflussrechnung: Woher kommt Geld und wofür wird es ausgegeben?

Die Erläuterungen dazu stehen im Lagebericht und im Anhang. Ergänzen Sie den letzten Jahresbericht um die jüngsten Quartals- oder Halbjahreszahlen. Hat sich das Geschäft inzwischen verändert, sollte diese Entwicklung in Ihre Einschätzung eingehen.

Finanzportale erleichtern den Überblick über mehrere Jahre und den Vergleich mit anderen Unternehmen. Für die Erklärung auffälliger Veränderungen schauen Sie in den Originalbericht. Prüfen Sie auch, ob die angezeigten Werte bereits erzielte Ergebnisse oder Schätzungen sind und ob sie sich auf den ganzen Konzern beziehen.

Brauchen Sie ein Aktienanalyse-Programm?

Für diesen Einstieg reichen die Unternehmensberichte, ein Finanzportal und eine einfache Tabelle für Ihre Notizen. Ein Aktienfilter, auch Screener genannt, kann später helfen, Unternehmen nach bestimmten Merkmalen zu suchen. Die Einführung von Fidelity zu Recherchewerkzeugen (externer Link) erläutert, wie solche Filter und Datenübersichten eingesetzt werden.

KI kann beim Lesen helfen, etwa einen Fachbegriff erklären oder aus einem bereitgestellten Bericht Textstellen zu einer Frage heraussuchen. Kontrollieren Sie Zahlen und Belegstellen im Original. KI-Ausgaben können veraltet oder fehlerhaft sein, wie die US-Börsenaufsicht SEC zu KI-generierten Anlageinformationen erklärt (externer Link).

Zuerst das Geschäft verstehen

Versuchen Sie, das Geschäftsmodell in wenigen Sätzen zu beschreiben: Was verkauft das Unternehmen, wer bezahlt dafür und weshalb entscheiden sich Kunden für dieses Angebot? So lässt sich auch nachvollziehen, wovon seine künftigen Einnahmen abhängen.

Für unseren Prüfweg verwenden wir einen fiktiven Hersteller von Pumpen für Industrieanlagen. Er verdient Geld mit neuen Pumpen, Ersatzteilen und Wartung. Die folgenden Zahlen und Geschäftsangaben sind frei gewählt und beziehen sich auf keine echte Aktie.

Neue Pumpen werden vor allem gekauft, wenn Kunden ihre Anlagen erweitern oder modernisieren. Das Ersatzteil- und Wartungsgeschäft versorgt dagegen bereits installierte Pumpen. Für die Einschätzung wäre interessant, wie groß diese beiden Bereiche sind und wie regelmäßig Kunden neue Teile benötigen.

Fragen Sie außerdem nach der Konkurrenz. Können Kunden problemlos zu einem anderen Hersteller wechseln? Oder sprechen die Zuverlässigkeit, die technische Einbindung in bestehende Anlagen und ein guter Service für den bisherigen Lieferanten? Suchen Sie dafür konkrete Angaben, etwa zur Kundenbindung oder zur Entwicklung des Serviceumsatzes. Eine Werbeaussage wie „führender Anbieter“ hilft bei dieser Prüfung wenig.

Diese Betrachtung des Unternehmens und seiner wirtschaftlichen Daten heißt Fundamentalanalyse. Die Wiener Börse erläutert diesen Ansatz (externer Link). Eine Chartanalyse beschäftigt sich dagegen mit Kursverläufen und Handelsumsätzen. In diesem Ratgeber prüfen wir das Geschäft hinter der Aktie, nicht Muster im Kurschart.

Wie entwickeln sich Umsatz und Gewinn?

Der Umsatz zeigt, wie viel das Unternehmen mit seinen Verkäufen erlöst. Der Gewinn berücksichtigt die Kosten. Ein Unternehmen kann mehr verkaufen und trotzdem weniger verdienen, wenn beispielsweise Material, Personal oder Finanzierung teurer werden.

Schauen Sie auf mehrere Geschäftsjahre. Drei Jahre geben einen ersten Überblick. Bei einem stark schwankenden Geschäft helfen zusätzlich Jahre mit schwächerer Nachfrage, um die Entwicklung einzuordnen.

Unser Beispiel: Drei Jahre eines fiktiven Pumpenherstellers
Angabe Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3
Umsatz 80 Mio. Euro 90 Mio. Euro 100 Mio. Euro
Gewinn nach Steuern 8 Mio. Euro 9 Mio. Euro 12 Mio. Euro
Geldzufluss aus dem laufenden Geschäft 10 Mio. Euro 11 Mio. Euro 8 Mio. Euro
Auszahlungen für Anlagen und ähnliche Investitionen 4 Mio. Euro 5 Mio. Euro 6 Mio. Euro

Der Umsatz wächst von 80 auf 100 Millionen Euro. Im dritten Jahr steigt der Gewinn besonders deutlich. Nun lesen Sie nach, was dahintersteckt: mehr verkaufte Pumpen, höhere Preise, geringere Kosten oder ein einmaliger Vorgang?

Im Beispiel stammen drei Millionen Euro des letzten Gewinns aus einem Immobilienverkauf. Das ist bereits der Beitrag nach Steuern. Ohne diesen Vorgang bleiben neun Millionen Euro. Der Gewinn aus dem übrigen Geschäft hat sich gegenüber Jahr 2 also nicht erhöht, obwohl der Umsatz gestiegen ist.

Für Ihre Einschätzung suchen Sie deshalb nach der Ursache. Hat das Unternehmen wegen gestiegener Materialkosten weniger an jeder Pumpe verdient? Oder hat es mehr für die Entwicklung neuer Produkte ausgegeben? Diese Erklärungen führen zu unterschiedlichen Erwartungen für die nächsten Jahre.

Achten Sie bei sogenannten bereinigten Gewinnen darauf, welche Kosten oder Erträge herausgerechnet wurden. Wird derselbe Aufwand Jahr für Jahr als Ausnahme behandelt, sollte er bei Ihrer Einschätzung berücksichtigt werden. Die SEC-Einführung zu Finanzberichten (externer Link) erklärt, wie Ergebnisrechnung und ergänzende Erläuterungen zusammengehören.

Kommt aus dem Geschäft auch Geld herein?

Ein ausgewiesener Gewinn und die tatsächlich eingegangenen Zahlungen können sich unterscheiden. Hat ein Unternehmen eine Lieferung bereits als Umsatz erfasst, der Kunde aber noch nicht bezahlt, steht das Geld noch aus. Auch der Aufbau von Vorräten bindet Geld.

In der Kapitalflussrechnung finden Sie den operativen Cashflow. Das ist der Geldfluss aus dem laufenden Geschäft. Er hilft Ihnen zu prüfen, wie viel Geld dieses Geschäft im betrachteten Zeitraum tatsächlich erzeugt hat. Den Unterschied zwischen Ergebnis und Zahlungsströmen beschreibt ebenfalls die SEC-Einführung.

Bei unserem Pumpenhersteller fällt dieser Geldzufluss im dritten Jahr von elf auf acht Millionen Euro. Angenommen, die Erläuterungen nennen noch ausstehende Kundenzahlungen und höhere Lagerbestände. Dann prüfen Sie in den nächsten Berichten, ob die Kunden inzwischen bezahlt haben und ob die Vorräte wieder abgebaut werden.

Vom Geldzufluss müssen außerdem Investitionen finanziert werden. Nach den sechs Millionen Euro für Anlagen und ähnliche Investitionen bleiben im Beispiel zwei Millionen Euro übrig. Im Vorjahr waren es sechs Millionen Euro. Diese einfache Rechnung hilft dabei, den finanziellen Spielraum zu verstehen. Sie zeigt auch, warum höhere Investitionen genauer betrachtet werden sollten: Dienen sie einer Erweiterung oder müssen verschlissene Anlagen ersetzt werden?

Wenn Sie Dividenden erwarten, vergleichen Sie auch die gesamte Ausschüttung mit diesem Spielraum. Eine Dividende von beispielsweise vier Millionen Euro wäre im dritten Jahr nicht vollständig durch die zwei Millionen Euro nach diesen Investitionen gedeckt. Zusätzliches Geld könnte etwa aus dem Immobilienverkauf oder aus vorhandenen Reserven kommen. Für künftige Ausschüttungen ist interessant, ob sich der Geldzufluss aus dem laufenden Geschäft wieder verbessert. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Dividenden in Österreich.

Wie gut kann das Unternehmen seine Schulden tragen?

Schulden müssen verzinst und zurückgezahlt oder durch neue Kredite ersetzt werden. Prüfen Sie deshalb, wie hoch die verzinslichen Schulden sind, wann sie fällig werden und wie viel Geld verfügbar ist. Das steht in der Bilanz und den Erläuterungen zur Finanzierung.

Angenommen, unser Pumpenhersteller hat 30 Millionen Euro verzinsliche Schulden und fünf Millionen Euro frei verfügbare Geldmittel. Nach Abzug dieser Geldmittel beträgt die vereinfachte Nettoverschuldung 25 Millionen Euro. Sie betrachten dabei Kredite und vergleichbare Finanzschulden, nicht unterschiedslos jede Bilanzverbindlichkeit.

Die nächste Frage lautet, wie das Unternehmen diese Finanzierung bedienen kann. Sind in Kürze große Rückzahlungen fällig? Steigen die Zinskosten? Wofür wurden die Kredite aufgenommen? Eine neue Anlage, die zusätzliche Einnahmen bringen soll, ist anders zu beurteilen als ein Kredit, der laufende Verluste ausgleicht.

Eine feste Schuldengrenze für sämtliche Branchen wäre wenig hilfreich. Ein Industriebetrieb, eine Bank und ein Immobilienunternehmen benötigen unterschiedliche Vergleiche. Für den Pumpenhersteller schauen Sie deshalb auf ähnliche Industrieunternehmen und darauf, wie sich seine eigene Finanzierung über die Jahre verändert hat.

Welchen Preis bezahlen Sie für die Aktie?

Nachdem Sie das Geschäft und seine Finanzierung geprüft haben, können Sie den Aktienkurs einordnen. Eine bekannte Marke oder wachsende Umsätze können Anleger überzeugen. Für Ihren Kauf zählt aber auch, welche Erwartungen im heutigen Preis stecken.

Als ersten Anhaltspunkt verwenden wir das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Dafür teilen Sie den Aktienkurs durch den Jahresgewinn je Aktie. Die ausführliche Erklärung finden Sie in unserem Ratgeber zum Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Unser Beispielunternehmen hat unverändert zehn Millionen Aktien. Der gesamte genannte Gewinn entfällt auf deren Eigentümer. Bei zwölf Millionen Euro Jahresgewinn sind das 1,20 Euro je Aktie. Mit einem angenommenen Aktienkurs von 18 Euro ergibt sich ein KGV von 15.

Für eine zweite Betrachtung rechnen wir den einmaligen Beitrag aus dem Immobilienverkauf heraus. Dann verbleiben neun Millionen Euro, also 0,90 Euro je Aktie. Auf dieser Grundlage beträgt das KGV 20.

Wie der einmalige Immobilienverkauf die Bewertung beeinflusst
Gewinnbasis im Beispiel Gewinn je Aktie KGV bei 18 Euro Aktienkurs
Jahresgewinn einschließlich Immobilienverkauf 1,20 Euro 15
Jahresgewinn ohne den einmaligen Beitrag 0,90 Euro 20

Der Aktienkurs bleibt in beiden Rechnungen gleich. Die zweite Rechnung zeigt, wie stark das Ergebnis von der verwendeten Gewinnbasis abhängt. Bei echten Unternehmen können Sie das veröffentlichte Ergebnis je Aktie im Bericht nachschlagen. So vermeiden Sie Fehler durch unterschiedliche Aktienzahlen oder Gewinnanteile anderer Eigentümer.

Vergleichen Sie die Bewertung mit Unternehmen, die ein ähnliches Geschäft betreiben. Verwenden Sie dabei dieselben Gewinnzeiträume und unterscheiden Sie erzielte Gewinne von Schätzungen. Ein höheres KGV kann mit besseren Wachstumsaussichten zusammenhängen. Dafür sollten Sie verstehen, wodurch die zusätzlichen Gewinne entstehen sollen und ob die Annahmen plausibel sind.

Auch die Zahl der Aktien spielt für den Gewinn je Aktie eine Rolle. Wie Sie Veränderungen durch Aktienrückkäufe oder eine Kapitalerhöhung einordnen, erklären die beiden Ratgeber mit Zahlenbeispielen.

Was könnte Ihre Einschätzung verändern?

Lesen Sie im Bericht auch den Ausblick und die beschriebenen Risiken. Überlegen Sie anschließend selbst, welche Entwicklungen für dieses Unternehmen besonders wichtig sind. So können Sie später prüfen, ob die Gründe für Ihren Kauf weiterhin bestehen.

Beim Pumpenhersteller wären zum Beispiel weniger Investitionen der Industriekunden, steigende Materialkosten oder der Verlust eines wichtigen Abnehmers relevant. Wie stark ist das Unternehmen von einzelnen Kunden abhängig? Kann es höhere Kosten über seine Verkaufspreise weitergeben? Stützt das Ersatzteilgeschäft die Einnahmen, wenn weniger neue Anlagen bestellt werden?

Stellen Sie den bisherigen Erwartungen auch die tatsächlich erreichten Ergebnisse gegenüber. Hat das Management frühere Ziele eingehalten und Abweichungen nachvollziehbar erklärt? Das hilft Ihnen, einen neuen Ausblick einzuschätzen, ohne jede Unternehmensprognose als bereits erreichtes Ergebnis zu behandeln.

Ihre Analyse in einer kurzen Notiz festhalten

Am Ende sollten Sie in eigenen Worten beschreiben können, warum Sie das Unternehmen interessant finden, was Ihnen am Preis plausibel erscheint und welche Fragen offen sind. Notieren Sie auch das Datum und die verwendeten Berichte. Diese Notiz können Sie mit den nächsten veröffentlichten Zahlen vergleichen.

Für unser Beispiel könnte die Notiz so aussehen:

Der Hersteller verkauft neue Pumpen und versorgt bestehende Anlagen mit Ersatzteilen. Der Umsatz wächst. Der zuletzt höhere Gewinn enthält jedoch einen einmaligen Immobilienverkauf, während der Geldzufluss aus dem laufenden Geschäft zurückgegangen ist. Bei 18 Euro Aktienkurs beträgt das KGV ohne den einmaligen Beitrag 20. Vor einem Kauf möchte ich verstehen, weshalb die laufenden Gewinne stagnieren und wann die ausstehenden Kundenzahlungen eingehen.

Damit haben Sie konkrete Ansatzpunkte für die weitere Recherche. Sie können die offenen Fragen klären, das Unternehmen zunächst beobachten oder sich gegen einen Kauf entscheiden. Passt die Aktie nach Ihrer Prüfung zu Ihrem Vorhaben, erklärt Aktien kaufen in Österreich die praktischen Schritte bis zum Kaufauftrag.

Dieser Beitrag erklärt Grundlagen und ist keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen dienen der Veranschaulichung.

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